Spitzelaffäre
Ex-Telekom-Chef Ricke wehrt sich

In der Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom hat sich der Aufsichtsrat am Mittwochabend hinter Konzernchef René Obermann gestellt. Das Gremium unterstütze Obermanns Kurs der Aufklärung, teilte die Telekom nach einer fünfstündigen außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats mit. Ex-Vorstandschef Kai Ricke-Uwe verteidigte sich.

DÜSSELDORF Die Unterstützung gelte für die Maßnahmen, die Obermann in den letzten "Tagen, Wochen und Monaten" eingeleitet habe. Im Vorfeld der Sitzung hatten bereits am frühen Morgen zwischen aktiven und ehemaligen Managern der Telekom die Drähte geglüht. Ex-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke wies in zwei Telefonaten mit seinem Nachfolger Obermann und dem stellvertretenden Aufsichtsratschef Lothar Schröder den Vorwurf zurück, er habe 2005 die Bespitzelung von Aufsichtsräten und Journalisten angeordnet.

Hintergrund der Affäre sind undichte Stellen im Aufsichtsrat der Telekom, durch die geheime Informationen an die Presse gelangten. "Ich habe seinerzeit in Kenntnis des damaligen Aufsichtsratschefs Klaus Zumwinkel dem Leiter der Konzernsicherheit den Auftrag erteilt, Vorschläge zu erarbeiten, wie die damaligen permanenten Indiskretionen beendet werden könnten", sagte Ricke gestern. Zu keiner Zeit aber habe er daran gedacht, Verbindungen analysieren, geschweige denn abgleichen zu lassen. "Sollte ein Abgleich von internen oder externen Stellen vorgenommen worden sein, so war mir das nicht bekannt", sagte Ricke.

Genau das aber geschah: Anfang der Woche hatte die Telekom eingeräumt, Telefonverbindungsdaten missbraucht zu haben. Dabei wurden Verbindungsdaten von verdächtigten Geheimnisverrätern sogar aus dem Haus gegeben. Die Daten gingen an die Berliner network.deutschland GmbH. Deren Geschäftsführer Ralph Kühn sagte dem Handelsblatt: "Der Auftrag kam von ganz oben." Der seinerzeit für die Konzernsicherheit zuständige Vorstand Heinz Klinkhammer sagte, der Auftrag sei an ihm vorbei direkt aus dem Umfeld von Ricke und Zumwinkel an einen Mitarbeiter der Konzernsicherheit erteilt worden. Dies bestreiten Ricke und Zumwinkel.

Die Staatsanwaltschaft Bonn prüft nun die Details und will Freitag entscheiden, ob und gegen wen sie ein Verfahren anstrengt.

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