Spitzelaffäre
Telekom verspricht Aufklärung

Die Deutsche Telekom wird von einer Spitzelaffäre erschüttert. Am Wochenende räumte der Konzern ein, zwischen 2005 und 2006 Telefonverbindungsdaten missbraucht zu haben. Offenbar hat der Konzern Gespräche von Aufsichtsräten und Journalisten ausspioniert, um herauszufinden, wer aus dem Kontrollgremium die Presse mit sensiblen Informationen versorgt hat.

BERLIN/DÜSSELDORF. Außerdem hat die Konzernsicherheit der Telekom einen externen Dienstleister beauftragt, der unzählige Verbindungsdaten abgeglichen hat, berichtet der „Spiegel“.

Telekom-Chef René Obermann hat eine lückenlose Aufklärung der Affäre angekündigt und Mitte Mai Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Bonn erstattet. Die Behörde will heute bekanntgeben, dass sie ein offizielles Ermittlungsverfahren anstrengt. „Ich bin über die Vorwürfe zutiefst erschüttert“, sagte Obermann am Wochenende. „Wir nehmen den Vorgang sehr ernst.“

Aufgeflogen ist der Skandal, als der von der Telekom beauftragte Dienstleister Ende April ein Fax an Manfred Balz, den Chefjustiziar der Telekom, schickte.

Nach Informationen des Handelsblatts hat Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel einem Mitarbeiter der Konzernsicherheit den Auftrag für die Bespitzelung erteilt. Die Abteilung gehörte in der fraglichen Zeit zum Personalvorstand Heinz Klinkhammer. „Alle Aufträge an die Konzernsicherheit hätten über meinen Schreibtisch gehen müssen“, sagte Klinkhammer dem Handelsblatt. „Ich wusste davon aber nichts. Die Bespitzelungsaufträge sind offensichtlich an mir vorbeigeleitet worden.“

Anfang 2006 habe er jedoch von Spionagevorwürfen erfahren und daraufhin ein Treffen mit Mitarbeitern der Konzernsicherheit sowie dem damaligen Telekomchef Kai-Uwe Ricke arrangiert. Dabei berichtete ein Mitarbeiter der Sicherheitsabteilung, dass Zumwinkel ihn angewiesen habe, einen Spitzel in die Redaktion eines deutschen Magazins einzuschleusen, der Zugriff auf die Termine und Treffen des dortigen Redakteurs hatte, der über die Telekom schrieb. Über diese Schiene sei die undichte Stelle im Aufsichtsrat enttarnt, der Betreffende zur Rede gestellt und die Spähaktion beendet worden.

Offenbar war das aber gelogen oder zumindest nicht die ganze Wahrheit. Denn ein Jahr später kamen weitaus umfangreichere Vorwürfe ans Licht, erzählt Klinkhammer. Dabei stellte sich heraus, dass auch Mobilfunkverbindungen von Aufsichtsräten und Journalisten abgeglichen worden sind. Chef der Mobilfunksparte war 2006 der heutige Vorstandsvorsitzende René Obermann.

Dies widerspricht der Version der Telekom: Der Konzern sei 2007 einem Einzelfall nachgegangen, habe die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen und anschließend die Konzernsicherheit neu organisiert. Unklar ist bislang aber, wer aus dem Telekom-Vorstand von den Aufträgen wusste.

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