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„Spitzelsystem“: Ex-ZDF-Chef Brender rechnet mit Parteien ab

Mit markigen Worten hat der ehemalige Chefredakteur des ZDF seine Gegner attackiert, die ihn aus dem Amt gedrängt haben. Die Unionspolitiker um Roland Koch hält Nikolaus Brender für "rückratlos", sie lebten von einem "Spitzelsystem" im Sender. Auch an ehemaligen Kollegen lässt Brender kein gutes Haar und bezeichnet sie als "Schlappschwänze".

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Ex-ZDF-Chef Nikolaus Brender ist nach seinem erzwungen Abschied verbittert. Quelle: dpa
Ex-ZDF-Chef Nikolaus Brender ist nach seinem erzwungen Abschied verbittert. Quelle: dpa

HB HAMBURG. Wenige Wochen vor seinem erzwungenen Abschied hat ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender scharf mit der parteipolitischen Dominanz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen abgerechnet. Im Gespräch mit dem "Spiegel" rügte er erstmals öffentlich das Proporzdenken der Parteien. Unionspolitikern um den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, die seine Abwahl betrieben haben, warf Brender Rückgratlosigkeit vor. Er sprach sogar von einem internen "Spitzelsystem, das davon lebt, dass Redakteure den Parteien Senderinterna zutragen".

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Wörtlich bezeichnete sie Brender als "Inoffizielle Mitarbeiter" der Parteien, "wirklich vergleichbar mit den IM der DDR". Es sei ein feingesponnenes Netz von Abhängigkeiten entstanden, aus dem sich Karrierechancen, aber auch Verpflichtungen ableiten ließen. Er selbst habe versucht, "solche Spione wenigstens von Posten mit echter Verantwortung fernzuhalten", wird der scheidende Chefredakteur weiter zitiert.

Im November hatte sich die Unionsmehrheit im ZDF-Verwaltungsrat mit dem Bestreben durchgesetzt, Brenders Vertrag nicht mehr zu verlängern. Der somit im März nach zehn Jahren Amtszeit ausscheidende Chefredakteur wird zitiert, in der Union gebe es "ein dunkles Schattenreich, das sich im Verwaltungsrat eingenistet hat und ihn mittlerweile zu dominieren versucht". Nun sei auch das ZDF beschädigt. Der ganze Vorgang habe der Glaubwürdigkeit der Öffentlich-Rechtlichen einen schweren Schlag versetzt, sagte Brender dem Hamburger Nachrichtenmagazin.

Indirekt begrüßte er die von den Grünen angekündigte Klage in Karlsruhe gegen den ZDF-Staatsvertrag. Das Bundesverfassungsgericht sei nun "die einzige Institution, die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk Staatsferne, Form und damit Zukunft sichern kann", sagte Brender. Schließlich drohe parteipolitische Methodik gerade, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu okkupieren. Er prangerte "das Denken in Mehrheits- und Minderheitsmustern sowie in Freund- Feind-Schemata, Fraktionszwang, intransparentes Hinterzimmergeklüngel" an. Das alles dürfe es im Journalismus nicht geben.

Persönlich zeigte sich Brender gleichwohl "erleichtert", dass seine Amtszeit jetzt zu Ende gehe. "Es fällt eine große Last von mir ab", hob er hervor. Er selbst tauge nicht zur Ikone und wisse, dass er auch intern bisweilen mit seinem Führungsstil angeeckt sei. "Einigen bin ich auf die Füße getreten. Das bringt der Job mit sich", resümierte Brender. "Ich wollte hier Kämpfer, keine Schlappschwänze."

Zu seiner Zukunft sagte der scheidende ZDF-Chefredakteur, er selbst sortiere jetzt erst mal Angebote, könne aber wohl "vom Journalismus nicht lassen". In öffentlich-rechtlichen Sendern kann sich der 61-Jährige aber nicht mehr vorstellen. "Das System hat mit mir abgeschlossen. Das werde ich respektieren", sagte er laut "Spiegel".

ZDF-Fernsehratsmitglied Hugo Diederich warf Brender eine verbale Entgleisung vor. Seine Äußerung, im ZDF gebe es Spitzel vergleichbar mit den IM der Stasi, lasse jedes Geschichtsbewusstsein vermissen. Es spreche auch nicht für journalistisches Fingerspitzengefühl, sich solcher Terminologie zu bedienen, erklärte Diederich, der als stellvertretender Bundesvorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) dem Aufsichtsgremium des ZDF angehört.

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