Spitzelvorwürfe
Telekom-Affäre: „Zumwinkel treibende Kraft“

In der Telekom-Bespitzelungsaffäre hat Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum schwere Vorwürfe gegen den früheren Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel erhoben. Dieser sei die treibende Kraft hinter der Aktion gewesen, sagte Baum dem "Focus". Zumwinkel habe ein Informationsleck in der Konzernführung schließen wollen.

HB MÜNCHEN. Baum vertritt mehr als 50 Aufsichts- und Betriebsräte der Telekom, die von dem Konzern bespitzelt worden sein sollen. Offen sei aber, ob der 65-jährige Ex-Manager die angewandten illegalen Ausspähmethoden gekannt habe, zitierte das Magazin Baum weiter. Wer einen so heiklen Auftrag erteilt habe, habe jedenfalls auch die Ausführung zu überwachen. Andernfalls liege eine Pflichtverletzung vor.

Im Februar war der ehemalige Post-Chef an den Gardasee gezogen. Dort gab es am 11. März eine Durchsuchung im Zusammenhang mit der Spitzelaffäre, die Ermittler nahmen zwei Computer mit. Für Zumwinkel ist der Ausgang der Telekom-Affäre brisant: Erst im Januar war er wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Bei einer weiteren Verurteilung könnte die Bewährung verfallen.

Die Telekom hatte im Mai vergangenen Jahres Strafanzeige bei der Bonner Staatsanwaltschaft erstattet, nachdem intern aufgedeckt worden war, dass 2005 und 2006 unter anderem Journalisten und Aufsichtsräte von der Konzernsicherheit bespitzelt worden waren. Die Nachforschungen der Staatsanwaltschaft richteten sich unter anderem gegen den ehemaligen Telekom-Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke und den früheren Aufsichtsratschef Zumwinkel. Es geht um den Verdacht von Verstößen gegen das Fernmeldegeheimnis und den Datenschutz.

Ricke hatte zugegeben, den Auftrag zum Aufspüren und Ausschalten einer undichten Stelle gegeben zu haben - nicht aber den Abgleich und die Analyse der Verbindungsdatensätze. Zumwinkel wies eine Mitverantwortung an der Spitzel-Affäre stets von sich. Als damaliger Aufsichtsrat, auch als Vorsitzender des Gremiums, habe er keine Weisungsbefugnis gehabt. Das operative Geschäft habe der Vorstand geführt. Die Bonner Staatsanwaltschaft hofft, das Ermittlungsverfahren bis zum Sommer abschließen zu können.

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