Sportbusinesskongress
DFL-Kanal bleibt reine Theorie

Winterspiele in Deutschland 2022 oder ein eigener Fußball-Fernsehsender unter DFL-Führung - um diese Themen drehte sich der Sportbusinesskongress in Düsseldorf. Von „praktische umsetzbar“ ist beides aber weit entfernt.
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DüsseldorfOlympische Winterspiele 2022 in München oder ein reiner Fußball-Fernsehsender in Deutschland im Besitz und unter Federführung der Liga sind öffentlich diskutabel, aber aktuell nicht umsetzbar. Diese Überzeugungen vertraten DOSB-Präsident Thomas Bach und Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL). Tenor der beiden wichtigsten Redebeiträge am Montag bei Europas größtem Sportbusinesskongress SpoBiS in Düsseldorf: Man kann über alles plaudern, die Umsetzung ist nahezu ausgeschlossen.

So bezeichnete Seifert einen DFL-Fußballkanal nur als „theoretisch möglich“. Die Produktions- und Werbungskosten und die Ausschüttung an die Vereine ließen eine Realisierung in der Praxis nicht zu. „Das ist eine interessante Idee, aber ein finanzielles Risiko für alle“, sagte Seifert.

Die Kosten einer Anschubfinanzierung für einen derartigen Sender schätzte Seifert auf 800 Millionen bis eine Milliarde Euro. Generell ist es für ihn undenkbar, bei einer Kostenlast mit diesem Ausmaß schon drei Monate nach der Installierung 110 Millionen Euro an die Vereine auszuschütten. „Es ist in Europa immer aus der Verzweiflung heraus geschehen“, sagte Seifert zu Beispielen aus Ländern, in den dieser Versuch - zumeist mit negativen Ergebnissen - umgesetzt wurde.

Bei der Vergabe der neuen Bundesliga-Medienrechte für 2013/2014 bis zum Ende der Saison 2016/2017 geht Seifert davon aus, dass der Erlös von bislang durchschnittlich 412 Millionen Euro für die 36 deutschen Profivereine je Saison wieder steigt. „Ein hohes Ausschreibungsergebnis ist aber kein Automatismus“, sagte der DFL-Manager. Die Clubs könnten indes erwarten, dass auch diesmal „mehr dabei rumkommt“.

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, betonte in Düsseldorf, dass die Möglichkeit einer abermaligen Bewerbung Münchens um die Winterspiele 2022 vom DOSB weiter mit großer Zurückhaltung betrachtet wird. „Wenn wir es heute entscheiden müssten, wäre es mit fehlenden Basisinformationen verbunden. Deswegen können wir uns jetzt nicht pro entscheiden“, sagte er. Eine ausführliche Diskussion über dieses Thema sei „Kaffeesatzleserei“.

Bei der DOSB-Mitgliederversammlung im Dezember war ohnehin der Entschluss gefasst worden, nach dem Scheitern bei der Bewerbung um die Winterspiele 2018 von einer neuen Münchner Kandidatur für 2022 abzusehen. Denkbar ist ein Anlauf wohl erst 2026.

„Ohne Antworten auf Fragen wie nach einer internationalen Chancenabwägung, wie ist die Unterstützung der Bevölkerung und der Politik und wer bezahlt's, wäre das vonseiten des DOSB keine verantwortungsvolle Politik“, meinte Bach. „Die Chancen für München 2022 können wir jetzt nicht ausreichend einschätzen“, sagte der Fecht-Olympiasieger von 1976.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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