Sportspiele
Gnadenloser Wettstreit um Fußball-Lizenzen

Poldi trifft, Köln ist Meister - für viele Konsolenbesitzer bleibt das ein Traum. Denn die Namensrechte der Fussballer in Sportspielen werden exklusiv vergeben. Einige Spieletitel müssen sich mit Phantasienamen zufrieden geben, andere können mit Originalnamen werben. Nun streiten Hersteller und Liga, wer an der strikten Vergabe schuld ist.

KÖLN. In der Welt der Fußball-Videospiele hat Lukas Podolski viele Namen. In der aktuellen Version des Spiels "Pro Evolution Soccer" (PES) etwa heißt der Nationalstürmer "Pomatski". Der japanische Hersteller Konami hat die Verfremdung bewusst gewählt - für den echten Namen fehlt die Lizenz. Podolskis Nationalmannschafts-Kollege Bastian Schweinsteiger hat es noch übler getroffen. Sein Kunstname lautet "Slinslizel".

Im Konkurrenzprodukt "Fifa Soccer" hingegen müssen Poldi und Schweini nicht inkognito auflaufen. Der Hersteller Electronic Arts (EA) hat von der Deutschen Fußball Liga (DFL) die exklusiven Namensrechte gekauft. Schätzungen zufolge lässt sich der Marktführer bei Sport-Videospielen die Lizenz eine Summe in einstelliger Millionenhöhe kosten.

Auf der heute beginnenden Kölner Computerspielmesse Gamescom geht der Zweikampf der beiden großen Fußball-Simulationen in die nächste Runde. Electronic Arts stellt das neue "Fifa 2010" vor, Konami die neueste Version von Pro Evolution Soccer. Beide Spiele kommen im Herbst auf den Markt.

Über den Erfolg entscheidet auch die Realitätstreue. Bewegungen, Ballphysik und die detaillierte Darstellung von Figuren und Stadien sorgen für eine erstaunlich echt wirkende Atmosphäre. "Nicht nur der Gesichtsausdruck der Spieler wirkt nahezu lebensecht, man erkennt auch ihre jeweilige Verfassung", wirbt Konami.

Bei den Namen der deutschen Spieler und Vereine müssen PES-Fans aber auch weiterhin Abstriche machen. Zwar legt Konami einen Editor bei, mit dem die Käufer den Makel selbst ausbessern dürfen. Doch lieber hätte der Hersteller die echten Namen verwendet - und ist entsprechend schlecht zu sprechen auf die DFL. "In unseren Augen geht der Exklusivvertrag mit EA komplett am Interesse der Fußballfans vorbei", schimpft Konamis europäischer PR-Chef Wolfgang Ebert. "Die DFL verwehrt den Nutzern, mit ihren Lieblingsmannschaften zu spielen."

Um im Duell mit EA nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten, hat sich Konami im vergangenen Jahr die Rechte an Champions League und Europa League gesichert - und das gleich für vier Jahre. Diesmal schaut der Erzrivale aus den USA in die Röhre, denn wie die DFL verkauft auch der europäische Fußballverband Uefa die Namensrechte nur an einen Partner. Wer die Champions League im EA-Spiel absolvieren will, muss sich nun seinerseits das Turnier per Editor mühsam selbst zusammenbasteln. Die beiden Platzhirsche haben ihren Lizenzstreit sogar per Gericht ausgefochten. Ende 2008 unterlag Konami bei einem Prozess gegen die DFL. Das Gericht untersagte die Nutzung deutscher Spieler- und Vereinsnamen und verurteilte das Unternehmen zu Schadensersatz.

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