Springer-Chef Döpfner: „Depression ist völlig unangebracht“

Springer-Chef Döpfner
„Depression ist völlig unangebracht“

Wie gelingt die Rückkehr zur Normalität in der Medienbranche? Wie künftig das Internet neue Erlöse bringen soll, erklärt der Vorstandschef von Axel Springer, Mathias Döpfner.

Handelsblatt: Herr Döpfner, immer mehr Verleger, in England und Amerika Rupert Murdoch, in Deutschland Sie und Ihr Axel-Springer-Verlag, melden rasant steigende Leserzahlen für bezahlte Inhalte im Internet. Kehrt nun die Normalität im Mediengeschäft zurück?

Mathias Döpfner: Die Phase der kindlichen Begeisterung für die neue Technologie rund um das Internet geht erkennbar zu Ende. Es beginnt eine neue Phase, in der alle sich auf eines besinnen: Inhalte sind der entscheidende Erfolgsfaktor. Gute Inhalte bedeuten einen Aufwand. Sie stellen einen Wert dar und müssen daher bezahlt werden. Das ist in der Tat die Rückkehr zur Normalität.

Das klingt wie eine Selbstverständlichkeit. Warum war diese Normalität mehr als ein Jahrzehnt lang suspendiert?

In den vergangenen Jahren haben manche geglaubt, sie könnten die Gesetze der Schwerkraft in der Marktwirtschaft aus den Angeln heben. Wir haben scheinbar innovative Geschäftsmodelle diskutiert. Manche waren überzeugt, allein schon die Aufmerksamkeit für Inhalte stelle einen unternehmerischen Wert dar. Doch das waren fromme Hoffnungen oder von Interessen gesteuerte Thesen. Man kann nicht mit Aufmerksamkeit bezahlen.

Vor allem die Internet-Konzerne aus dem Silicon Valley, Google & Co., predigen noch immer die Umsonst-Kultur des World Wide Web als Errungenschaft der Zivilisation und als demokratischen Fortschritt.

Mein Kompliment: Diese Thesen haben einige sehr geschickt verbreitet. Im Gewand des Zeitgeistes und progressiver Visionen wurden knallharte Interessen auf Kosten der Medienindustrie durchgesetzt. Vorreiter waren Kevin Kelly, Chris Anderson mit seinem Buch "Free" und Jeff Jarvis, die sehr stark in diese Richtung argumentiert haben - zur Freude der Suchmaschinen. Die nämlich haben kein Interesse, für die Inhalte, die sie kopieren, aggregieren, ordnen und vor allem vermarkten, auch noch Geld zu bezahlen.

Und die Leser waren ihre treusten Verbündeten?

Das können wir ihnen nicht vorwerfen. Wenn der Supermarkt kostenlose Butter anbietet, nehmen wir die gerne mit. Es kümmert uns wenig, ob der Butterproduzent später bankrottgeht oder nicht.

Deswegen gibt es im Supermarkt auch nichts umsonst, weder die Butter noch die Plastiktüte.

Diese Erkenntnis setzt sich jetzt auch in der Medienindustrie durch. Selbst Suchmaschinen oder Social-Community-Betreiber, Soft- und Hardwarehersteller erkennen, dass sie der Medienindustrie die Geschäftsgrundlage nehmen und damit sich selbst beschädigen. Denn wenn die Vielfalt, die Unabhängigkeit und die Qualität der Inhalte abnehmen, leiden alle. Irgendwann gibt es dann auch nichts Verlässliches mehr zu suchen oder in den Social Communities zu diskutieren.

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