Springer hält sich bei der Übernahme der Pro Sieben Sat 1 alle Optionen offen
Saban dämpft Erwartungen

Einen Coup zu verkünden hatte Mathias Döpfner bei der Springer-Hauptversammlung am Mittwoch nicht. Auch Pro-Sieben-Sat1-Großaktionär Haim Saban hat bezüglich einer möglichen Mehrheitsbeteiligung der Axel Springer AG an der Sendergruppe die Erwartungen gedämpft.

HB/lip/hps BERLIN. Der US-Medienunternehmer erklärte: „Wir sind nicht in irgendwelchen Verhandlungen im Zusammenhang mit der Pro Sieben Sat 1 Media AG.“ Springer-Chef Mathias Döpfner hingegen ließ sich alle Optionen offen. „Sie wissen, dass wir die Auffassung vertreten, die Beteiligung mittelfristig entweder aufzustocken oder zu einem attraktiven Preis zu veräußern“, sagte Döpfner vor Aktionären am Vormittag.

Wie aus Unternehmenskreisen verlautete, sollen die Gespräche beider im Frühsommer fortgesetzt werden. „Neubewertungen oder gar Entscheidungen“ zur Strategie im Fernsehmarkt gebe es nicht, teilte Springer heute mit. Springer will zusammen mit Großaktionär Hellman & Friedman nach der Mehrheit an der Pro Sieben Sat 1 greifen. Dabei denkt Springer daran, seinen 12 %-Anteil auf eine Sperrminorität von 25,1 % aufzustocken, weitere 25,1 % soll Hellman & Friedman erwerben. Derzeit ist der „Bild“-Konzern mit knapp 12 % an dem TV-Konzern beteiligt, zu dem die Sender Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1, N 24, Neun Live und Sonnenklar gehören.

Grundsätzlich bleibe der Aufbau eines zweiten Standbeins im deutschen TV-Geschäft ein Weg zu mehr Wachstum, sagte Springer-Chef Döpfner. Konkret wurde er aber nicht. Greifbarer war da ein anderes Signal der Hauptversammlung: Europas größtes Zeitungshaus hätte nach schwierigen Jahren wieder Finanzkraft für Zukäufe.

Dass Springer bei der Beteiligung an der Münchener Fernsehkette von derzeit 11,8 % mittelfristig Handlungsbedarf sieht, bekräftigte Döpfner auch vor den Aktionären. Die Alternativen: Entweder aufstocken, um mehr Einfluss zu gewinnen, oder zu einem attraktiven Preis verkaufen. „Diese Auffassung gilt unverändert.“ Spekulationen, wonach eine Erhöhung des Anteils womöglich konkret in Sicht sei, gab der Vorstandschef vorerst aber keine Nahrung. „Sobald wir einen Anlass oder eine kapitalmarktrechtliche Verpflichtung zur Information haben, tun wir das selbstverständlich.“

Bohrenden Fragen der Anteilseigner sah sich der Vorstand in dieser Frage in Berlin jedenfalls nicht ausgesetzt. Ein Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz gab indes zu bedenken, Risiken und Chancen eines stärkeren Engagements genau zu prüfen. Anders als bei Zeitungen und Zeitschriften kenne sich Springer im Fernsehmarkt längst nicht so gut aus.

Für den Vorstand gehört ein größeres Augenmerk auf das TV-Geschäft grundsätzlich zu den Optionen seiner Wachstumsstrategie. So könne das Verlagshaus unabhängiger vom Printgeschäft werden, argumentierte Döpfner. Andererseits erhöhe sich die Abhängigkeit von der Inlands- Konjunktur. Daneben gebe es weiter den Weg, die internationalen Print-Aktivitäten auszubauen. „Beide Wege sind attraktiv, wenn die Bedingungen stimmen.“ In diesem Jahr sollen Marktchancen und Investitionsgelegenheiten „verstärkt“ geprüft werden. Jedoch: „Akquisitionen aus Prestigegründen wird es bei uns nicht geben.“

Daran, dass der Konzern die Mittel für Zukäufe hätte, lässt das Management jedenfalls keinen Zweifel - nicht nur mit Blick auf die Nettoliquidität von 173 Mill. €. „Wir haben ein gutes Polster, das im Bedarfsfall die Finanzierung erheblich höherer Summen ermöglichen würde“, sagte Döpfner. Die im Herbst 2003 gekauften zehn Prozent eigenen Aktien seien jederzeit „als Akquisitionswährung“ einsetzbar. Und auch der Überschuss stieg im vergangenen Jahr trotz der schwierigen Lage auf dem Medienmarkt auf 147,5 Mill. €.

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