Springer könnte bald nicht mehr Springer sein
Friede Springer: „Ich bin nur Gast hier"

Warum stimmte Friede Springer dem Pro-Sieben-Sat-1-Kauf zu? Darin stecken Risiken, die sie bisher stets klug vermied.

BERLIN. Jahrzehnte wehrte sich Friede Springer höchst erfolgreich gegen alle, die zu viel Einfluss und Macht in ihrem Verlag ausüben wollten. Denn Europas größtes Pressehaus war schon immer ein Objekt der Begierde, eine goldene Burg. Mal waren es zu machtbewusste Manager und Testamentsvollstrecker, mal der Münchener TV-Unternehmer Leo Kirch. Wie jeder gute Unternehmer aber misstraute sie vor allem den Banken und vermied, von ihnen abhängig zu werden.

Alle besiegte sie mit ihrer stillen Beharrlichkeit, ausgerechnet jetzt aber gerät sie wieder in einen schwer wägbaren Sog. Für den Kauf der Fernsehgruppe Pro Sieben Sat 1 muss Springer rund drei Milliarden Euro Kredit aufnehmen. Der Deal bringt den Verlag in den nächsten Jahren stärker als je zuvor in den Einflussbereich der Banken. Und mehr als je zuvor begibt Friede Springer sich in die Abhängigkeit ihrer Manager, die für diesen Deal stehen und selbst in einer heiklen Situation nicht mehr so leicht wie früher ausgetauscht werden können.

Was also bewegt sie? Gibt es einen Plan hinter dem Plan?

Für Außenstehende haftet Friede Springer, 62, etwas Flüchtiges, etwas Unbestimmbares an. Immer wieder betont sie, dass sie keine Verlegerin sei und nimmt doch alle Repräsentationen wahr, die das Medienhaus und die Regierungshauptstadt Berlin bieten. Sie arbeitet im Büro ihres verstorbenen Mannes Axel Springer im 19. Stock des Springer-Hauses, hat dort seit seinem Tod vor 20 Jahren nichts verändert und sagt: „Ich bin nur Gast hier.“

Sie lebt in zwei Häusern, das eine in Berlin-Dahlem mit einem freundlichen, fast mädchenhaften Zuschnitt. Das andere liegt nur wenige Kilometer entfernt in Potsdam mit einer eher repräsentativen Einrichtung. Mal wohnt sie hier, mal da, als könnte sie sich nicht entscheiden.

In Interviews sagt sie wie vor mehreren Jahren in der „Welt am Sonntag“ über ihren Mann:„Wenn ich träume, dann träume ich von ihm. Wenn ich eine Entscheidung fällen muss, denke ich an ihn und frage: Wie würde er entscheiden?“

Trotzdem verkaufte sie so ziemlich alles, was sie mit ihm verband: das gemeinsame Haus am Wannsee, das Schloss in Schleswig-Holstein, das Anwesen auf der griechischen Insel Patmos, wo ihr Mann nach seinen Bekundungen Zwiesprache mit dem heiligen Johannes hielt.

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