Springer setzt auf Verkauf
Pro Sieben droht der Filmriss

Um die Zusage des Kartellamts zum Kauf von Pro Sieben Sat 1 zu bekommen, müsste der Medienkonzern Axel Springer sehr wahrscheinlich den Sender Pro Sieben von der Sendergruppe abtrennen. Genau das würde dem Spielfilmkanal aber schwere Probleme im Programm bescheren.

MÜNCHEN. Pro Sieben ist als Spielfilmkanal auf den Nachschub von Serien und Filmen aus dem Mutterkonzern Pro Sieben Sat 1 angewiesen. Nach Ansicht von Experten und Unternehmenskreisen wird es im Fall einer Abtrennung von Pro Sieben keine Filmlieferungen des Mutterkonzerns mehr geben. „Eine Sublizenzierung an Pro Sieben mit einem neuen Eigentümer ist vertraglich nicht erlaubt“, sagt ein Filmhändler.

Sämtliche Filmlizenzen – die wertvollsten Inhalte von Pro Sieben – sind traditionell in der Holding gebündelt. Pro Sieben nutzt die Erstverwertungsrechte der vor allem in Hollywood eingekauften Streifen, die später an den konzerneigenen Klassikerkanal Kabel 1 weitergereicht werden. Würde Pro Sieben verkauft, wäre das Geschäftsmodell der gesamten Sendergruppe in Frage gestellt.

Ein potenzieller Käufer könnte nicht einmal mit dem Mutterkonzern über jedes Filmrecht verhandeln – dazu ist die Gruppe auf Grund der Verträge mit den Hollywood-Studios nicht berechtigt. „Unsere Kernkompetenz sind Spielfilme, und die werden nun mal über die Holding eingekauft“, sagte ein Pro-Sieben-Mitarbeiter.

Pro Sieben ist trotz sinkender Quoten und eines niedrigeren Gewinns immer noch die Ertragsperle des Konzerns. Im ersten Halbjahr erzielte der Sender bei einem Umsatz von 385 Mill. Euro eine Ergebnis vor Steuern von 85 Mill. Euro. Zum Vergleich: Sat 1 erzielte zwar Erlöse von 395 Mill. Euro, der Gewinn vor Steuern fiel aber mit 63 Mill. Euro deutlich niedriger aus.

Pro Sieben ist seit der Gründung der Sendergruppe vor fünf Jahren integraler Bestandteil der Gruppe Pro Sieben Sat 1. So bekommt Pro Sieben seine Nachrichten komplett vom kleinen Berliner Schwestersender N24 geliefert. Pro Sieben stellt lediglich die Sprecher im Studio. Allein wäre der Sender mit seinen 270 Mitarbeitern nach Meinung von Insidern wohl kaum so rentabel.

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