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05.05.2008 
Amerikanischer Mobilfunkanbieter

Sprint plant offenbar Abspaltung von Nextel

von Torsten Riecke

Die Übernahmespekulationen um den amerikanischen Mobilfunkanbieter Sprint Nextel haben eine überraschende Wendung genommen. Nach Informationen des "Wall Street Journal" denkt der Konzern darüber nach, Nextel abzutrennen oder zu verkaufen. Dadurch wäre Sprint nicht nur sein größtes Problem los, sondern könnte sich auch für eine Übernahme durch die Deutsche Telekom herausputzen.

NEW YORK. Nach Angaben der US-Zeitung versucht die Firma Cyren Call des ehemaligen Nextel-Gründers Morgan O'Brien eine Investorengruppe für den Rückkauf des Konzernteils zusammenzustellen. Das Journal beruft sich dabei auf Unternehmenskreise.

Sprint und Nextel hatten sich vor drei Jahren zum drittgrößten Mobilfunkanbieter in Amerika zusammengeschlossen. Das Duo hatte jedoch von Beginn an mit enormen Problemen zu kämpfen. Unterschiedliche Mobilfunkstandards und der harte Wettbewerb auf dem US-Markt machen insbesondere der früheren Nextel zu schaffen. So hat der Anbieter innerhalb von zwei Jahren mehr als drei Millionen Kunden verloren.

Durch eine Abspaltung von Nextel wäre Sprint nicht nur sein größtes Problem los, sondern könnte sich auch für eine Übernahme zum Beispiel durch die Deutsche Telekom herausputzen. Die Spekulationen um eine Übernahme durch den Ex-Monopolisten aus Deutschland haben dem US-Konzern an der Börse einen kräftigen Schub versetzt. Nach einem Kurseinbruch von 40 Prozent in diesem Jahr stieg die Aktie in New York am Montag um mehr als 13 Prozent.

Eine Übernahme durch die Telekom wäre für Sprint Nextel vermutlich die letzte Chance. Der mit rund 54 Millionen Kunden drittgrößte Mobilfunkanbieter in Amerika steckt seit der Fusion in der Krise. Kunden laufen seit Monaten zu den stärkeren Konkurrenten Verizon und AT&T über. Auch finanziell steht Sprint Nextel mit dem Rücken zur Wand. Analysten erwarten für das erste Quartal einen Konzernverlust von fast einer halben Milliarde Dollar. Der Umsatz ist zuletzt von 41 auf 40 Milliarden Dollar gesunken. Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte die Bonität vergangene Woche auf den Status von Ramsch-Anleihen herunter. Im letzten Quartal 2007 musste der Konzern fast den gesamten Kaufpreis für Nextel abschreiben und einen Buchverlust von fast 30 Milliarden Dollar in Kauf nehmen, der aktuelle Marktwert von Sprint Nextel beträgt noch etwa 22,5 Milliarden Dollar.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Telekom als willkommener Retter

Außer den finanziellen Schwierigkeiten hat der US-Konzern auch einen Berg technischer Probleme. "Sprint Nextel steht bereits jetzt vor der fast unlösbaren Aufgabe, zwei sehr unterschiedliche Netzwerke zu integrieren", sagt Craig Moffett, Telekom-Analyst beim Investmenthaus Sanford C. Bernstein in New York. So soll eine Technik von Nextel, die aus dem Handy praktisch ein "Walkie-Talkie" macht, in die Welt von Sprint überführt werden. Doch Sprint arbeitet mit einem anderen Standard (CDMA) und hat die Nextel-Technik bis heute nicht komplett umgestellt. "Mit T-Mobile käme der GSM-Standard noch hinzu, das schafft riesige Integrationsprobleme", warnt Moffett.

Schwierigkeiten hat Sprint auch mit der Justiz, ein US-Bundesrichter entschied am Wochenende, dass der Konzern bestimmte Frequenzen seines Mobilfunk-Spektrums bis zum 26. Juni an staatliche Behörden abgeben muss, um die Auflagen der Federal Communications Commission (FCC) zu erfüllen. "Das könnte zu einem Chaos bei den Kunden führen", sagt Analyst Moffett. Die schwierige Nextel-Integration hat Sprint auch personell geschwächt. Im Oktober 2007 gab Konzernchef Gary Forsee auf, er wurde erst nach monatelanger Suche durch Daniel Hesse ersetzt. Der startete ein neues Sparprogramm und kündigte Anfang des Jahres den Abbau von 4 000 Arbeitsplätzen an.

Die Telekom wäre also ein willkommener Retter. Die Hürden für eine transatlantische Übernahme wären jedoch enorm. Der Zusammenschluss des drittgrößten und viertgrößten Mobilfunkanbieters werde die Kartellwächter auf den Plan rufen, sind sich Finanzkreise sicher. Der US-Markt gelte bei den Wettbewerbshütern bereits jetzt als "konzentriert", jede neue Fusion würde lange Untersuchungen und womöglich hohe Auflagen nach sich ziehen. Außerdem müssten die Deutschen damit rechnen, dass sich auch Politiker und Sicherheitsbehörden in Washington den Deal genau ansehen würden. Berührt der Verkauf eines Telekomanbieters doch grundsätzlich die nationalen Sicherheitsinteressen der USA und würde vermutlich vom Committee on Foreign Investment in the US (CFIUS) geprüft.

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