Staatsanwaltschaft Berlin: Ermittlungen gegen ZDF-Fernsehrat

Staatsanwaltschaft Berlin
Ermittlungen gegen ZDF-Fernsehrat

Die Berliner Staatsanwaltschaft nimmt die Vereinigung der Opfer des Stalinismus unter die Lupe. Deren Bundesvorsitzender Hugo Diederich ist ZDF-Fernsehrat. Strittig ist der Umgang des Verbands mit Sozialabgaben.
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DüsseldorfDie Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den ZDF-Fernsehrat Hugo Diederich wegen nicht ordnungsgemäßen Abführens von Sozialbeiträgen. Das bestätigte eine Sprecherin dem Handelsblatt. Diederich, Bundesvorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, bestreitet die Vorwürfe. "Ich bin mir keiner Schuld bewusst", sagte der 59-Jährige, der bereits seit 2005 dem Aufsichtsgremium in Mainz angehört.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die sich gegen den gesamten Vorstand des Vereins richten, laufen noch. Ob und wann es zu einer Anklage kommt, ist unklar.

Bei den Ermittlungen gegen Diederich geht es um die Beschäftigung des früheren MDR-Moderators Ronald Lässig bei Diederichs Opferverband als geschäftsführender Bundesvorstand. Lässig, der heute Vorsitzender der DDR-Opfer-Hilfe e.V. ist, hatte im vergangenen Jahr beim Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg eine Auseinandersetzung mit der Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V. In dem Verfahren ging es darum, ob der Journalist Lässig ein Recht auf eine automatische Verlängerung seines Vertrages bis Ende 2014 gehabt habt. Das Landesarbeitsgericht erklärte sich für nicht zuständig und verwies die Sache an das Landgericht; daraufhin nahm Lässig die Klage zurück.

Diederich lehnt einen Rücktritt als ZDF-Fernsehrat ab. Lässig sagte hingegen: "Ein Gremium wie der ZDF-Fernsehrat lebt von der Reputation seiner Mitglieder. Deshalb sollte er sein Mandat niederlegen." Der Vorsitzende des Gremiums, der CDU-Politiker Ruprecht Polenz, sagte: „Hugo Diederich ist aufgrund seiner Sachkunde und seines Engagements ein geschätztes Mitglied des Fernsehrates. Er wird und muss selbst entscheiden, ob er angesichts eines staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahrens seine Aufgabe weiter erfüllen kann.“

Polenz verwies darauf, dass der ZDF-Staatsvertrag, der die Berufung von Fernsehratsmitgliedern regelt, dem Gremium nicht die Möglichkeit geben, ein Mitglied auszuschließen oder seine Mitgliedschaft, etwa für die Dauer eines Ermittlungsverfahrens, auszusetzen.

Im Visier der Staatsanwaltschaft ist auch der ehemalige Programmgeschäftsführer und heutige NDR-Programmdirektor Frank Beckmann geraten. Laut Branchendienst „Kontakter“ besteht gegen den Vertrauten von NDR-Intendant Lutz Marmor der Verdacht auf Untreue. Beckmann soll angeblich Rechnungen für nicht erbrachte Leistungen und Sachleistungen gestellt habe, um einen „hohen fünfstelligen Betrag“ für eine Feier des in Erfurt ansässigen Kinderkanals einzutreiben, berichtet der „Kontakter“. Beckmann hat gegenüber dem NDR Intendanten dargelegt, dass er sich keiner Schuld bewusst sei. Der Antrag des NDR auf Akteneinsicht sei nach wie vor von der Staatsanwaltschaft noch nicht beschieden worden, teilte der Sender in Hamburg mit.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Staatsanwaltschaft Berlin: Ermittlungen gegen ZDF-Fernsehrat"

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  • Sollte man nicht erst mal den Verein " Vereinigung der Opfer des Stalinismus" unter die Lupe nehmen???????
    Aber man weis ja, wenn man gräbt dann will man was finen, oder in diesem Fall vieleicht mit Absicht nicht????????

  • Was haben den bitte die Ermittlungen gegen den gesamten Vorstand des Vereins mit dem ZDF zu tun?
    Nichts.
    Liebes Handelsblatt, das ist jetzt schon ein bisschen arm.

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