Staatsanwaltschaft ermittelt
Infineon dreht Schumacher den Geldhahn zu

Die Infineon-Affäre um Schmiergeldzahlungen im Motorsport hat einen dritten Beschuldigten: Ex-Chef Ulrich Schumacher. Anders als seine Managerkollegen soll Schumacher sich Naturalien als Entlohnung ausbedungen haben. Der Konzern reagierte prompt auf die Vorwürfe.

HB MÜNCHEN. Wegen der staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen hat Infineon die Abfindungs-Zahlungen für Schumacher auf Eis gelegt. Das Unternehmen prüfe zudem mögliche Schadenersatzansprüche, sagte ein Infineon- Sprecher am Montag in München. Er bestätigte damit einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (Montagausgabe). Diese schreibt, bei der noch offenen zweiten Tranche der Abfindung handele es sich um einen „namhaften siebenstelligen Euro-Betrag“.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Wochenende erklärt, sie führe im Schmiergeldskandal bei Infineon inzwischen auch Schumacher als Beschuldigten. Ein Zeuge habe berichtet, sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler, Schumacher habe beim Kauf privater Sportwagen Vorteile angenommen. Der Ex-Infineon-Chef wies den Vorwurf gegenüber dem Magazin „Focus“ zurück: „Ich habe nie nur einen einzigen Cent angenommen.“ Er arbeite eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen.

Der Korruptionsskandal hatte im Juli zum Rücktritt von Speichersparten-Vorstand Andreas von Zitzewitz geführt. Er soll von der Schweizer PR-Firma BF Consulting zwischen 2002 und 2004 insgesamt 259 000 Euro Schmiergeld erhalten haben. Der ehemalige Infineon-Manager Harald Eggers soll 50 000 Euro kassiert haben. Als Gegenleistung sollen die Männer Zulieferfirmen von Infineon zum Motorsport-Sponsoring gedrängt haben. Abgeschlossen worden sein sollen die Verträge über BF Consulting.

BF-Consulting-Chef Udo Schneider wurde vor zwei Monaten in der Schweiz festgenommen. Er bestreitet den Vorwurf der Bestechung. Im „Focus“ hieß es, Schneider werde nun auch verdächtigt, im Auftrag Schumachers Oldtimer und andere Liebhaberautos gekauft und sie unter Wert an ihn weitergeleitet zu haben. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ (Montagsausgabe) handelt es sich bei dem Zeugen, der dies behauptet hat, um den geschassten Infineon-Vorstand Zitzewitz.

Schumacher war bisher nicht ins Blickfeld der Ermittlungen gerückt. Der Ex-Infineon-Chef, einst eine der schillernden Figuren der deutschen New Economy und Motorsport-Enthusiast, war im Frühjahr 2004 auf Druck des Aufsichtsrates zurückgetreten.

In der Infineon-Affäre war auch Kritik am Aufsichtsratsvorsitzenden und Schumacher-Widersacher Max Dietrich Kley laut geworden, der kurz vor Schumachers Rücktritt von diesem Unterlagen mit Vorwürfen erhalten hatte, wonach Zitzewitz Schmiergeld angenommen haben soll. Nach Angaben des Unternehmens hätten interne und externe Überprüfungen seinerzeit aber ergeben, dass es dafür keine Anhaltspunkte oder Belege gegeben habe.

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