Staatstrojaner
Digitask - Programmierer im Zwielicht

Der vom Chaos Computer Club analysierte Bundestrojaner stammt aus den Labors der hessischen Firma Digitask. Das Unternehmen steht massiv in der Kritik - und wehrt sich jetzt.
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Köln/BerlinDer Hersteller der in Bayern eingesetzten Spionagesoftware Digitask hat sein Schweigen gebrochen. Die Firma wies den Vorwurf zurück, bei der Entwicklung nachlässig gearbeitet zu haben. Das vom Chaos Computer Club (CCC) analysierte Programm stamme sehr wahrscheinlich von dem hessischen Unternehmen und sei im November 2008 geliefert worden, erklärte der Rechtsanwalt Winfried Seibert in Köln, der Digitask vertritt. „Zu der damaligen Zeit war die Software auf dem Stand der Technik.“ Die Experten des CCC hatten die Überwachungssoftware als dilettantisch bezeichnet. In seiner Analyse stellte der CCC unter anderem fest, dass die eingesetzte AES-Verschlüsselung falsch umgesetzt wurde, sodass Kommunikation mit dem Trojaner von jedem abgehört werden konnte, der dem Programm habhaft wurde.

Seibert stritt auch ab, dass die Software ein Hintertürchen im Computer der überwachten Person öffnet, durch das Dritte eindringen könnten. Bei der Auslieferung des Trojaners an den Auftraggeber sei das nicht der Fall gewesen.

Der vom CCC analysierte Trojaner eignete sich nur, um Rechner mit Windows zu überwachen. Grundsätzlich sei Digitask jedoch in der Lage, Software für andere Betriebssysteme zu liefern - wenn ein entsprechender Auftrag vorliege.

Zu den Digitask-Kunden wollte sich Seibert nicht äußern. Eine Reihe von öffentlichen Auftraggebern ist allerdings in einer Datenbank der Europäischen Union verzeichnet, darunter das Zollkriminalamt und das Bayerische Landeskriminalamt (LKA).

Digitask ist in der deutschen Sicherheitsszene kein Unbekannter. Seit Jahren gilt der Softwareentwickler als erste Adresse und Lieferant von Abhörtechnik für Telefon, Handys und SMS im Auftrag von Polizei und Behörden. Auch in Deutschland hat sich das Unternehmen zum Platzhirsch im Markt für Abhör-Lösungen entwickelt. Eine einfache Google-Recherche ergibt, in welch großem Umfang die Firma Behörden und Länder mit Software belieferte.

Schon in der Vergangenheit waren Digitask und das damit in Zusammenhang stehende Unternehmen Reuter electronic in umstrittene Abhörmaßnahmen verwickelt. So hatte die „Wirtschaftswoche“ 2008 einen Abhörskandal der Deutschen Telekom aus den Neunziger Jahren aufgedeckt.

Kommentare zu " Staatstrojaner: Digitask - Programmierer im Zwielicht"

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  • Liebe Handelsblatt-Schreiber:
    Findet Ihr nicht auch, dass Qualitäts-Journalismus (den Ihr zweifelsohne liefert) mit sprachlicher Qualität einhergehen sollte?
    Ich rede hier nicht von einem kleinen Tippfehlerchen (geschenkt!), sondern von grammatikalischen Unzulänglichkeiten, fehlenden oder versehentlich nach dem Umschreiben nicht gelöschten Wörtern etc..
    Das macht Eure Texte (zumindest den obigen) leider streckenweise nur holperig lesbar und mindert sicherlich auf Dauer auch Eure journalistische Reputation...
    Schönen Tag wünsche ich!

  • Man sollte sehr gründlich prüfen, ob die geniale Digitask oder deren cleveres Umfeld in irgendeiner Form Parteispenden getätigt hat.
    Hier ist definitiv die Piratenpartei gefragt.

  • Aber das Lustigste an der Geschichte ist immer noch, dass die Installation eines solchen 'Trojaners' (der keiner ist) nicht einmal aus der Ferne erfolgen kann. Das heißt, dass Ermittlungsbehörden sich zunächst physischen Zutritt zum zu 'infiltrierenden' System verschaffen muss (Quelle: www.burks.de/burksblog/category/die-online-durchsuchung oder www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/153195.html). In diesem Zusammenhang kann ich 'lowabras' mit seinem 'MiniMax'-Modell (s.o.) nur zustimmen. :)

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