Stabilität
ST Micro hakt den Konzernumbau ab

Der größte Chipanbieter Europas ST Micro verspricht Anlegern und Kunden für die nächsten Jahre Stabilität. Selbst am derzeit noch verlustbringenden Geschäft mit Handychips will Vorstandschef Carlo Bozotti festhalten. Die Restrukturierungen im Konzern sind abgeschlossen.
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MÜNCHEN. Seit seinem Amtsantritt vor fünf Jahren hat Carlo Bozotti bei ST Microelectronics keinen Stein auf dem anderen gelassen. Nun soll endlich Schluss sein mit den einschneidenden Veränderungen: "Wir haben den Umbau fast hinter uns", sagte der Chef des führenden europäischen Halbleiterproduzenten im Gespräch mit dem Handelsblatt. Jetzt gehe es darum, sich voll aufs Geschäft zu konzentrieren und mehr Geld zu verdienen.

Bozotti ist nicht der einzige Manager der Branche, der das Ende der Restrukturierungen vor Augen hat. Beispiel Infineon: Der Münchener Konzern, zweitgrößter europäischer Chipanbieter, verkauft gerade seinen Mobilfunkbereich an Intel. Danach sei die ehemalige Siemens-Tochter in einem Zustand, in dem sie für einige Jahre bleiben könne, meint der Vorstandsvorsitzende Peter Bauer.

Auch die europäische Nummer drei, NXP aus Eindhoven, ist stark geschrumpft, sieht sich nach einer wahren Rosskur jetzt aber in einer tragfähigen Struktur: "Wir wollen dem Kapitalmarkt nun beweisen, dass wir einen stabilen Geschäftsverlauf hinlegen können", betont NXP-Chef Rick Clemmer.

ST hat das Geschäft in den vergangenen Jahren radikal umgebaut. Die verlustträchtige Speicherchip-Sparte hat das französisch-italienische Unternehmen abgestoßen, den defizitären Mobilfunkbereich brachte Bozotti in ein Joint-Venture mit Ericsson ein. Darüber hinaus hat die Firma Werke in Europa und Amerika geschlossen, dabei Tausende Stellen gestrichen und dafür die Kapazitäten in Asien aufgestockt.

Offenbar hat sich die Restrukturierung gelohnt. "ST macht klare Fortschritte", urteilten die Analysten von Unicredit nach den jüngsten Quartalszahlen. Mit einem Umsatz im laufenden Jahr von gut zehn Mrd. Dollar ist der Konzern inzwischen schon etwas größer als er vor der Krise war - und das, obwohl wichtige Teile verkauft wurden. Die Unicredit-Experten rechnen für 2010 mit einen Gewinn von 823 Mio. Dollar. Im Vorkrisenjahr 2007 war noch ein Verlust von fast einer halben Mrd. Dollar angefallen. ST liefert Chips für die Unterhaltungsgeräte-Branche, für Handys, Autos, Stromnetze und andere Anwendungen. "Wir sind wesentlich breiter aufgestellt als die Konkurrenz, das macht uns weniger anfällig für Schwankungen", sagt Bozotti.

Eine Baustelle hat der Italiener allerdings noch. Das Joint-Venture im Mobilfunk mit Ericsson. Das Gemeinschaftsunternehmen schreibt tiefrote Zahlen und wird nach Ansicht von Analysten erst 2012 Gewinne erzielen. ST-Ericsson tritt insbesondere gegen Qualcomm an. Die Amerikaner dominieren den Markt für Handy-Chips. Infineon hat sich deshalb dazu entschlossen, den Mobilfunk an Intel abzustoßen, den größten Chipkonzern der Welt.

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