Starke Konkurrenz
Google ist in China ein Internet-Zwerg

Das Potenzial in China ist gewaltig: Das Land verfügt über 162 Millionen Internet-Nutzer und stellt damit den weltweit zweitgrößten Online-Markt. Doch im Reich der Mitte macht der einheimische Internet-Konzern Baidu das Rennen. Google hingegen kennen viele Chinesen gar nicht. Eine Werbekampagne soll helfen.

HB PEKING/SCHANGHAI. Während sich der Begriff "googeln" in vielen Sprachen bereits als Verb etabliert hat, fand das Wort bislang noch keinen Einzug in die chinesische Sprache. "G-O-O-G-L-E entspricht keiner normalen chinesischen Schreibweise, und die Leute sprechen den Namen nicht richtig aus", sagte Kai-fu Lee, Google -Präsident für den chinesischen Raum der Agentur Bloomberg. "Die meisten sagen ,Go Go‘.“ Auch das "gle“ im Namen des Suchmaschinenbetreibers bereitet Schwierigkeiten: Die Internet-Adressen basieren auf dem Hanyu Pinyin System, das chinesische Zeichen in lateinische Lettern umwandelt. Einen Laut für "gle“ gibt es in dem System aber nicht.

"Das ist ein großes Problem für uns“, sagte Lee. Im vergangenen Jahr hat Google daher die Web-Site "G.cn" gekauft, um Internet-Nutzer, die den Namen falsch schreiben, auf die gewünschte Site zu leiten. Die chinesischsprachige Google -Domäne läuft unter "Guge“, was "Erntelied“ bedeutet. Die Anpassung des Namens im Jahr 2006 rief Kritik hervor, Denn "Gu“ heißt auch "Tal“ und impliziert somit eine Abwärtsbewegung. "Den Namen hat jemand erdacht, der kein Chinesisch kann“, sagt Analyst Liu Bin von der Marktforschungsfirma BDA China Ltd. in Peking. "Das war für das Marketing nicht förderlich.“

Neben den sprachlichen Problemen kämpft Google zudem mit einer vergleichsweise schwachen Marktbedeutung in China. Wie auch der Konkurrent Yahoo hinkt der Suchmaschinenbetreiber dem Branchenführer Baidu.com weit hinterher. Baidu bringt es in China auf einen Marktanteil von 61 Prozent – mehr als doppelt so viel wie Google. "Nur wenige Menschen in China kennen Google“, sagt Charley Kan, Geschäftsführer von Mediaedge-cia, einer Tochter des britischen Werbekonzerns WPP Group. "Verglichen mit Baidu ist die Marktposition schwach.“

In China generierte Google mit der Suchmaschine im vergangenen Jahr einen Umsatz von 250 Mill. Yuan (23 Mill. Euro), schätzt die schweizerische Bank Credit Suisse Group. Das ist weniger als ein halbes Prozent des Gesamtumsatzes von 7,3 Mrd. Dollar (fünf Mrd. Euro) im Geschäftsjahr 2006.

Doch das Potenzial in China ist gewaltig: Das Reich der Mitte verfügt über 162 Millionen Internet-Nutzer und stellt damit den weltweit zweitgrößten Online-Markt. Nach Ansicht von Sandeep Aggarwal, Analyst bei Oppenheimer & Co., wird China im Hinblick auf die Nutzerzahlen in drei bis fünf Jahren sogar die USA überrunden. Die Umsätze mit Online-Werbung werden sich dem Marktforscher Analysys International zufolge in den vier Jahren bis Ende 2010 auf 20 Mrd. Yuan vervierfachen.

Auch Yahoo, der Betreiber von der weltweit am meisten besuchten Internet-Seite, hat in China einen schweren Stand – der Marktanteil von Yahoo fiel laut Analysys im dritten Quartal auf zehn Prozent, nach 13 Prozent ein Jahr zuvor.

Baidu hingegen baute den Marktanteil von 57 auf 61 Prozent aus. Der Internet-Konzern, dessen Namen übersetzt "Hunderte Male“ bedeutet, profitierte von der Implementierung von Foren und Enzyklopädie-Angeboten im Stile von Wikipedia. Seit dem Börsengang im August 2005 hat die Aktie ihren Wert um das 15- Fache gesteigert. Der Titel wird derzeit mit dem rund 100-Fachen des für 2008 prognostizierten Gewinns gehandelt. Bei Google, das den Marktanteil in China von 16 auf 24 Prozent ausgebaut hat, beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis 35 und bei Yahoo 48.

"Baidu ist ein sehr gutes Unternehmen, das den Anforderungen der chinesischen Werbefirmen und Internet-Nutzer besser entsprochen hat als Google“, sagt Fonds-Manager Walter Price von RCM Capital Management in San Francisco.

Google will nun nachlegen und hat die Zahl der Programmierer in der Region auf 200 erhöht. Lee setzt zudem auf neue Werbestrategien, mit denen er auch die Sprachbarrieren zu überwinden will. Google werde bei der Werbung innerhalb der nächsten 30 Tage "einige Experimente“ durchführen, sagte Lee. "In China müssen wir mehr machen. Wenn die Leute Google nicht kennen oder den Namen nicht schreiben können, kennen sie auch unsere Vorzüge nicht.“

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