Starker Euro belastet
ST Microelectronics sieht Rot

Infineon-Konkurrent ST Microelectronics hat in seinem dritten Geschäftsquartal nach Sonderposten einen Verlust verzeichnet. Das Ergebnis sei durch die Kosten für Fabrikschließungen, den starken Euro und fallende Preise bei Halbleiter-Produkten belastet, teilte Europas größter Chiphersteller mit.

HB ORLANDO. Der Gewinn vor Sonderbelastungen und der msatz lagen zwar etwas über den Analystenerwartungen. Die Anleger zeigten sich aber enttäuscht vom Geschäftsausblick des französisch-italienischen Unternehmens, der Branchenexperten zufolge hinter den zuversichtlichen Prognosen von Konkurrenten zurückblieb. Der Aktienkurs von ST Micro gab am Donnerstag deutlich nach und zog auch die Kurse von anderen Halbleiterproduzenten wie der deutschen Infineon mit ins Minus.

ST Micro stellt Speicherchips und Prozessoren her, die beispielsweise in Mobiltelefone, DVD-Player oder Digitalkameras eingebaut werden. Nach einer mehr als zweijährigen Branchenkrise hat sich die Stimmung in der Chip-Industrie zuletzt wieder aufgehellt. Die jüngsten Quartalszahlen und die Geschäftsausblicke von Branchenriesen wie Intel, Samsung Electronics und AMD hatten in den vergangenen Tagen für gute Nachrichten gesorgt. Die Erholung rührt allerdings bislang vor allem vom privaten Konsum her, während der Trend bei Firmeninvestitionen nach wie vor als unsicher gilt. Ein weiteres Indiz für eine Branchenbelebung lieferte ST Micro mit der Ankündigung, die Investitionen kräftig zu erhöhen.

Im vergangenen Quartal drückten bei dem im schweizerischen Genf ansässigen Konzern neben den Kosten für Fabrikschließungen auch ungünstige Wechselkurseffekte und der Preisdruck in der Halbleiterbranche das Ergebnis. Unter dem Strich ergab sich ein Verlust von 49,1 Mill. Dollar nach einem Gewinn von 131,2 Mill. Dollar im Vorjahreszeitraum, wie das Unternehmen am Mittwochabend nach US-Börsenschluss mitteilte. Besonders zu Buche schlugen die Restrukturierungskosten, die sich nach Steuern auf 129,5 Mill. Dollar beliefen. Vor Berücksichtigung der Belastungen durch Restrukturierungsaufwendungen, Wertberichtigungen und andere Posten verbuchte ST Micro einen Gewinn von 101,4 Mill. Dollar. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt einen Nettogewinn vor Restrukturierungsbelastungen von 77 Mill. Dollar vorausgesagt. Auch der Anstieg des Nettoumsatzes um 9,6 % auf 1,8 Mrd. Dollar fiel etwas höher aus als von Branchenexperten erwartet. Analysten hatten mit einem Nettoumsatz von 1,74 Mrd. Dollar gerechnet.

Für das laufende vierte Quartal sagte ST Micro einen Umsatzanstieg um sieben bis 13 % voraus. Dieser Ausblick und die vorgelegten Zahlen sind nach den Worten von Analysten zwar solide, aber nicht so stark wie die zuletzt präsentierten Prognosen und Geschäftsergebnisse etwa von US-Konkurrent Texas Instruments, dem weltgrößten Hersteller von Chips für Mobiltelefone. Für einen Dämpfer sorgte insbesondere auch der ST Micro-Ausblick zur Entwicklung der Ertragskraft. So bekräftigte der Konzern für das vierte Quartal zwar sein Ziel einer Bruttogewinnspanne von 36 bis 37 %, enttäuschte damit aber Erwartungen, dass das Unternehmen seine Prognose anheben werde. Im Laufe des kommenden Jahres soll die Marge dann auf 40 % ansteigen, wie ST Micro-Chef Pasquale Pistorio in einer Telefonkonferenz mit Journalisten sagte. Branchenkenner zeigten sich zudem darüber besorgt, dass das Umsatzwachstum vor allem auf den margenschwachen Bereich von so genannten Flash-Memory-Speicherchips entfiel, die insbesondere in Konsumelektronikprodukten eingesetzt werden.

ST Micro signalisierte zugleich auch eine verhalten optimistische Einschätzung der Geschäftsaussichten im kommenden Jahr und kündigte eine Steigerung der Investitionen für Forschung und Produktionskapazitäten um 33 % auf 1,6 Mrd. Dollar an. Im laufenden Jahr hatte das Unternehmen die Investitionen noch auf 1,2 Mrd. Dollar zurückgeschraubt.

Der Konzern nannte zudem weitere Einzelheiten seiner Pläne, einige ältere Fabriken in Europa und den USA zu schließen oder deren Produktion zu reduzieren. Die Herstellung soll auf effektivere Fabriken in Frankreich und Singapur verlagert werden.

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