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Starmind: Google fürs Gehirn

Unternehmen ahnen oft nicht, was ihre Mitarbeiter alles wissen: Mit Starmind sollen Chefs in den Köpfen „googeln“ können. Die lernende Software soll Wissen verfügbar machen. UBS nutzt das System bereits.

Der Blick ins Internet, der Blick zurück? Quelle: dpa
Der Blick ins Internet, der Blick zurück? Quelle: dpa

ZürichGröße kann für Unternehmen zu einem Problem werden: Je größer eine Organisation ist, desto schwerer ist es, den Überblick zu bewahren, wo intern welche Experten sitzen. Oft ist Fachwissen bei einem Mitarbeiter in Land A vorhanden, das ein Kollege in Land B dringend benötigt - doch leider kennen sich beide nicht.

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Das Schweizer Start-up Starmind will hier Abhilfe schaffen. "Es gibt keine besseren Unternehmensberater als die eigenen Mitarbeiter", sagt Stefan Kalmund, Miteigentümer von Starmind. "Wir wollen dieses versteckte Wissen nutzbar machen", sagt der Vorsstandsvorsitzende Pascal Kaufmann. Kaufmann und sein 15-köpfiges Team haben auf Basis der Forschung zu künstlicher Intelligenz eine Software entwickelt. Vereinfacht ausgedrückt können Mitarbeiter damit ihre Kollegen "googeln".

10 Tipps für den perfekten Chef

  • Ein perfekter Chef macht Fehler

    Jeder Mensch macht Fehler, denn Menschen sind nicht perfekt. Durch diese Eigenschaft werden Menschen überhaupt erst liebenswert. Wichtig ist jedoch, dass wir um unsere Fehler wissen und Wege finden, wie diese Fehler behoben werden können. Fehler, richtig verstanden, führen zu einer Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit und des Unternehmens.

  • ... ist nicht perfekt

    Es ist daher verwunderlich, warum immer noch so viele Chefs meinen, dass sie perfekt sind. Eine solch grobe Selbstüberschätzung führt letztlich zu Arroganz und einem Stillstand an Wachstum (sowohl persönlich als auch unternehmerisch).

  • ... verbessert sich ständig

    Darin liegt die Größe eines wirklich „perfekten“ Chefs. Er verwendet die Kenntnis seiner Fehler für die persönliche Weiterentwicklung. Gute Führungspersönlichkeiten meinen nicht, „jemand zu sein“, sondern verstehen sich als „jemand, der wird“ und zwar jeden Tag ein wenig mehr.

  • ... ist Menschenfreund

    Eine wesentliche Eigenschaft von „perfekten“ Chefs ist, dass sie Menschen mögen. Viele so genannte Führungskräfte mögen aber nicht einmal sich selbst, geschweige denn andere Menschen. Unter solchen Umständen wird Führung nur schwer möglich sein. Um exzellent zu sein, muss man das, was man tut, lieben. Und um exzellent zu führen, muss man Menschen lieben.

  • ... ist Teamplayer

    Der „perfekte“ Chef sagt und meint „Wir!“ und nicht „Ich!“ Er ist ein Teamspieler. Im 21. Jahrhundert werden nur Teams gewinnen und nicht Einzelspieler. Die Mondlandung beispielsweise war auch nicht das Werk eines einzelnen Menschen, sondern das mehrerer tausend Ingenieure, auch wenn die visionäre Kraft eines Wernher von Brauns dahinter stand. Aber er hätte es niemals alleine geschafft.

  • ... fordert Menschen

    Der „perfekte“ Chef fordert Menschen heraus. Er will Leistung erleben und regt Menschen an, sie zu erbringen. Dabei orientiert er sich nur ungern am Durchschnitt, sondern an Spitzenleistungen. Der „perfekte“ Chef gibt sich nicht mit dem zweitbesten Ergebnis nicht zufrieden.

  • ... ist fachlich selten der Beste

    Von dem Gedanken, stets der Beste in allen Bereichen sein zu wollen, müssen sich Führungspersönlichkeiten trennen. Der „perfekte“ Chef konzentriert sich auf seine Stärken und seine Hauptaufgaben.

  • ... verkörpert Werte

    Grundvoraussetzung eines „perfekten“ Chefs sind gelebte Werte, die von allen Mitarbeitern als Führungsgrundsätze empfunden werden. Nur so entsteht das viel geforderte Vertrauen.

  • ... ist wirksam

    Letztlich geht es um das wesentliche: Der „perfekte“ Chef be-wirkt, dass Menschen Ziele erreichen. Das Wesen guter Führung ist Wirksamkeit.

  • ... ist offen für andere Wirklichkeiten

    Meistens halten wir unsere Meinung für die Wahrheit, basierend auf der Wirklichkeit, wie wir sie empfinden. Häufig entspricht unsere Wirklichkeit jedoch nicht der Realität. Der „perfekte“ Chef setzt sich auf den Stuhl des anderen. Wer durch die Augen anderer sieht, entdeckt eine Fülle von Wirklichkeiten.

    Quelle: Perspektive Mittelstand

Konkret besteht die Anwendung wie bei der US-Suchmaschine aus einem einfachen Eingabefenster. Der Nutzer tippt dort seine Frage samt Schlagworten ein. Das Programm leitet die Frage dann nur an jene Kollegen im Unternehmen weiter, bei denen die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, dass sie die Antwort wissen.

Das ist der große Unterschied zu klassischen Wissensportalen wie sie etwa Yahoo Ask bietet. Dort kategorisieren sich Nutzer selbst, zu welchem Thema sie Fragen aus der Netzgemeinde bekommen wollen. Je breiter man dort seine Interessensgebiete angibt, mit umso mehr Fragen wird der Nutzer bombardiert.

So treiben Sie Ihren Chef auf die Palme

Bei Starmind soll die Software mit jeder Frage-Antwort-Runde lernen, welcher Mitarbeiter eines Unternehmens zu welchem Thema Wissen besitzt. "Die meisten angefragten Mitarbeiter antworten binnen 24 Stunden, sie sind stolz, dass ihr Wissen gefragt ist", erklärt Kaufmann. Der Fragesteller beurteilt die Qualität der Antworten mit Sternen - einer bis maximal fünf. "Das System legt gewissermaßen eine Wissenskarte an", erklärt er.

Die Fragen werden anonym gestellt; damit sinkt die Hemmung, intern zuzugegeben, dass man etwas nicht weiß. Die Antwortgeber werden dagegen namentlich genannt. Das Programm gibt Unternehmen damit die Möglichkeit, Hitlisten der Mitarbeiter zu erstellen, die die meisten und besten Antworten gegeben haben. "So entdecken Unternehmen ihre versteckten Champions", meint Kaufmann.

Wissensmanagement

  • Ordner

    Früher wurde das Fachwissen in Ordnern abgelegt. Meist war das Wissen schon in dem Moment veraltet, als es abgelegt wurde.

  • Wikis

    Nach dem Vorbild des Onlinelexikons Wikipedia haben zum Beispiel IBM und Audi eigene, interne Onlinelexika von ihren Mitarbeitern schreiben lassen.

  • Web-2.0-Technologien

    Heute setzen Unternehmen Web-2.0-Technologien zum Wissensmanagement ein.

  • Besserer Zugang zum Hirn

    Nach einer McKinsey-Studie erlauben solche Netze einen um 30 Prozent verbesserten Zugang zum internen Wissen.

  • Social Network

    Der BASF-Konzern unterhält seine eigene Plattform "connect.basf". Hier können Mitarbeiter auf die Statusmeldungen und Fragen von Kollegen antworten.

Seit elf Monaten ist das Start- up mit der Suchsoftware am Markt. Ein Kunde ist die Schweizer Großbank UBS. "Wir testen Starmind seit einigen Wochen in einem Pilotversuch mit 200 IT-Mitarbeitern, vor allem im Bereich Applikationsentwicklung", sagt Bert Pohl, IT-Manager von UBS. Die ersten Erfahrungen seien positiv. "Die Expertensuche hilft vor allem dabei, auf lästige Routinefragen schnell eine gute Antwort zu finden."

Laut Starmind-Chef Kaufmann nutzt auch ein großer europäischer Rüstungskonzern die Software bereits. Den Namen darf er allerdings nicht verraten. In Deutschland sei er mit zehn deutschen Kreditinstituten im Gespräch. Die Kosten hängen von der Unternehmensgröße ab - die Preisspanne reicht von 5 000 bis 120 000 Franken im Monat.

Nutzen könne man das Programm auch für die Personalplanung, meint Starmind-CEO Kaufmann: Wenn eine bestimmte Frage stets ohne befriedigende Antwort bleibt, sei dies ein Hinweis darauf, dass in dem Bereich Rekrutierungsbedarf bestehe.

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