Starmind: Google fürs Gehirn

Starmind
Google fürs Gehirn

Unternehmen ahnen oft nicht, was ihre Mitarbeiter alles wissen: Mit Starmind sollen Chefs in den Köpfen „googeln“ können. Die lernende Software soll Wissen verfügbar machen. UBS nutzt das System bereits.
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ZürichGröße kann für Unternehmen zu einem Problem werden: Je größer eine Organisation ist, desto schwerer ist es, den Überblick zu bewahren, wo intern welche Experten sitzen. Oft ist Fachwissen bei einem Mitarbeiter in Land A vorhanden, das ein Kollege in Land B dringend benötigt - doch leider kennen sich beide nicht.

Das Schweizer Start-up Starmind will hier Abhilfe schaffen. "Es gibt keine besseren Unternehmensberater als die eigenen Mitarbeiter", sagt Stefan Kalmund, Miteigentümer von Starmind. "Wir wollen dieses versteckte Wissen nutzbar machen", sagt der Vorsstandsvorsitzende Pascal Kaufmann. Kaufmann und sein 15-köpfiges Team haben auf Basis der Forschung zu künstlicher Intelligenz eine Software entwickelt. Vereinfacht ausgedrückt können Mitarbeiter damit ihre Kollegen "googeln".

Konkret besteht die Anwendung wie bei der US-Suchmaschine aus einem einfachen Eingabefenster. Der Nutzer tippt dort seine Frage samt Schlagworten ein. Das Programm leitet die Frage dann nur an jene Kollegen im Unternehmen weiter, bei denen die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, dass sie die Antwort wissen.

Das ist der große Unterschied zu klassischen Wissensportalen wie sie etwa Yahoo Ask bietet. Dort kategorisieren sich Nutzer selbst, zu welchem Thema sie Fragen aus der Netzgemeinde bekommen wollen. Je breiter man dort seine Interessensgebiete angibt, mit umso mehr Fragen wird der Nutzer bombardiert.

Bei Starmind soll die Software mit jeder Frage-Antwort-Runde lernen, welcher Mitarbeiter eines Unternehmens zu welchem Thema Wissen besitzt. "Die meisten angefragten Mitarbeiter antworten binnen 24 Stunden, sie sind stolz, dass ihr Wissen gefragt ist", erklärt Kaufmann. Der Fragesteller beurteilt die Qualität der Antworten mit Sternen - einer bis maximal fünf. "Das System legt gewissermaßen eine Wissenskarte an", erklärt er.

Die Fragen werden anonym gestellt; damit sinkt die Hemmung, intern zuzugegeben, dass man etwas nicht weiß. Die Antwortgeber werden dagegen namentlich genannt. Das Programm gibt Unternehmen damit die Möglichkeit, Hitlisten der Mitarbeiter zu erstellen, die die meisten und besten Antworten gegeben haben. "So entdecken Unternehmen ihre versteckten Champions", meint Kaufmann.

Seit elf Monaten ist das Start- up mit der Suchsoftware am Markt. Ein Kunde ist die Schweizer Großbank UBS. "Wir testen Starmind seit einigen Wochen in einem Pilotversuch mit 200 IT-Mitarbeitern, vor allem im Bereich Applikationsentwicklung", sagt Bert Pohl, IT-Manager von UBS. Die ersten Erfahrungen seien positiv. "Die Expertensuche hilft vor allem dabei, auf lästige Routinefragen schnell eine gute Antwort zu finden."

Laut Starmind-Chef Kaufmann nutzt auch ein großer europäischer Rüstungskonzern die Software bereits. Den Namen darf er allerdings nicht verraten. In Deutschland sei er mit zehn deutschen Kreditinstituten im Gespräch. Die Kosten hängen von der Unternehmensgröße ab - die Preisspanne reicht von 5 000 bis 120 000 Franken im Monat.

Nutzen könne man das Programm auch für die Personalplanung, meint Starmind-CEO Kaufmann: Wenn eine bestimmte Frage stets ohne befriedigende Antwort bleibt, sei dies ein Hinweis darauf, dass in dem Bereich Rekrutierungsbedarf bestehe.

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