Start-up des Monats: Flaconi
Russisch Roulette für die Nase

Chanel, Escada, Calvin Klein: Flaconi, ein Onlineshop für Beauty-Produkte, ist seit 2011 online und für Marktführer Douglas mittlerweile der größte Konkurrent. Und das ganz ohne eine Frau in der Geschäftsführung.
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BerlinIn unserer Reihe „Start-up des Monats“ stellen wir Ihnen regelmäßig ein innovatives Unternehmen vor. Im Mai ist das Flaconi.

Neben einem Kfz-Service und einer Tankstelle hat Flaconi in Berlin-Kreuzberg seine Büro- und Lagerräume. Wenn man in die Lobeckstraße einbiegt, riecht es nach Auspuffgasen und Öl und man hört Motorenlärm. Betritt man die zweite Etage der Hausnummer 36, verwandelt sich der Gasgeruch in Parfüm. Der Lärm wird zu lauter Musik. Dort wird eingepackt, geprüft, verstaut. Flaconi ist ein Online-Versandhändler für Parfüms und Beauty-Produkte wie Lippenstift und Wimperntusche.

Ende 2010 gegründet und im Juli 2011 online gestartet machen die Gründer Björn Kolbmüller (32) und Paul Schwarzenholz (34) mit Flaconi mittlerweile dem Marktführer in Deutschland Konkurrenz. „David gegen Goliath, Flaconi gegen Douglas“, sagt Schwarzenholz zu dem Platzhirsch der Branche. Es sei ihnen von Anfang an bewusst gewesen, dass sie sich mit einem Beauty-Riesen anlegen würden. Denn das ist Douglas. Selbst Leute wie Start-up-Oligarch Oliver Samwer schon an diesem Vorhaben gescheitert sind. Samwer hatte 2009 den Shop Beautydeal gegründet, ihn kurz danach aber wieder offline gestellt. Angeblich seien Probleme mit dem Lieferanten der Grund dafür gewesen.

Anders als Samwer haben die Gründer von Flaconi es geschafft, mit der Idee eines Parfüm-Shops Erfolg zu haben. Kolbmüller hat vorher bei Mr. Spex gearbeitet, einem Online-Händler für Brillen(-gläser), Schwarzenholz war Unternehmensberater. Bei Flaconi haben beide von vornherein auf Luxusmarken gesetzt: Chanel, Dior, Hugo Boss. „Wir wussten, wir könnten diese Marken online besser präsentieren als andere Shops“, sagt Schwarzenholz.

Unternehmen wie Chanel davon zu überzeugen, sich von einem Start-up vertreiben zu lassen – das sei am Anfang die größte Schwierigkeit gewesen. „Für diese Markenhändler sind auch im Internet ehrliche Kaufmannstugenden wichtig.“ Also hat es mehr als zwei Jahre gedauert, bis Chanel mit Flaconi kooperiert hat. Jetzt ist das berühmte Chanel No. 5 eins von rund 13.000 Produkten, die der Online-Shop führt.

Wenn die Gründer durch die Flaconi-Räume laufen, blicken sie stolz auf die Parfümflaschen, die auf jedem Regal, jedem Tisch und jedem Siteboard stehen. Ihnen wird zugewunken, die Mitarbeiter sitzen an Schreibtischen oder chillen im Konferenzraum. Start-up-Lifestyle eben. „Wir machen am liebsten alles selbst“, erzählt Kolbmüller. Weil Flaconi in den vergangenen vier Jahren immer größer wurde, musste zweimal umgezogen werden. „Da bin ich den Sprinter gefahren und wir haben die Räume als Team aus- und wieder eingeräumt.“ Auch steuert das Start-up den gesamten Ablauf eigenständig – von der Online-Bestellung eines Kunden bis zur Übergabe des Pakets an DHL. Die Logistik ist neben den Büroräumen, es gibt keinen externen Dienstleister. In der Verpackung läuft Heavy Metal-Musik, in der Logistik Pop.

Ein Stolperstein zu Anfang: Unverständnis für die Geschäftsidee. „Man muss doch riechen können, was man bestellt“, spricht einer der Gründer den häufigsten Zweifel nach. Schon damals hätten sie versucht, zu erklären, dass 80 Prozent der Produkte nachbestellt werden. Man kenne den Duft, die Farbe des Lippenstifts oder das Hautgefühl der Creme also schon. Von wegen Russisch Roulette. Sie selbst kennen ihre Lieblingsdüfte. Kolbmüller: Allure Homme von Chanel. Schwarzenholz: Aventus von Creed.

Kolbmüller: „Für jede Situation gibt es ein passendes Parfum.“

Handelsblatt: „Ist das das Credo von Flaconi?“

„Nein, aber das sollte es werden“, antworten beide und lachen.

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Russisch Roulette für die Nase

Seite 2:

Flaconi: eine Motivation für andere Start-ups?

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