Start-Up-Finanzierung
Das Silicon Valley darbt – aber lebt

Silicon Valley ist bescheiden geworden: Mit Kostensenkungen und Entlassungen retten sich die Start-Ups durch die Krise. Die befürchtete Pleitewelle ist bisher ausgeblieben und einige Unternehmer träumen nach dem Anpassungsprozess schon wieder zaghaft vom Wachstum.

BERKELEY/BERLIN. Ein totes Schwein mit Metzgermesser im Kopf, ein Grabstein mit Epitaph an das schöne Leben: „RIP, Ihr Guten Zeiten“. So begann vergangenen Herbst eine Präsentation, die den Winter für Internet-Start-ups einzuläuten schien. Den Vortrag hielt die Chefetage von Sequoia Capital, einer der angesehensten Wagniskapitalfirmen des Silicon Valley: Google, Cisco, YouTube – sie alle wurden von Sequoia finanziert. Und wenn Sequoia sagt, dass da was Schlimmes kommt, dann glaubt das Silicon Valley das.

Nun, acht Monate später zeigt sich: Ganz so schlimm ist es nicht geworden. Und das demonstriert, wie sehr sich die Branche seit dem Platzen der Dotcom-Blase verändert hat. Denn zwei Dinge haben das Schlimmste verhindert: schnelle Reaktion und die veränderten Strukturen der Unternehmen.

„Bootstrapping“ wurde zum Modewort der Netz-Arbeiter. Frei übersetzt bedeutet das: „Sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.“ Für Start-up-Gründer heißt das: Komm ohne frisches Kapital aus und kürz die Kosten auf ein Minimum. Zwei Entlassungswellen setzten ein: eine im Herbst, eine viel heftigere im Januar. Manches Unternehmen reduzierte sich auf die Kernzelle seiner Anfangstage: das Gründerteam.

So verabschiedete sich der Softwarehersteller Neomagic im Oktober von 90 Prozent seiner 90 Mitarbeiter. Andere, die auf der Suche nach Geld waren, gaben direkt auf. So verkündete die Videoplattform Eyespot am 30. September per Twitter, dass sie ihren Betrieb einstellt.

„Es gibt niemanden hier, der nicht entlässt. Wenn aber selbst Google seine Leute feuert, dann ist etwas grundsätzlich faul in der Branche“, analysiert Russell Hancock, Präsident von Silicon Valley Network, einem Verbund der Startups. Die Arbeitslosenquote im Valley stieg auf elf Prozent – ein Fünf-Jahres-Rekord.

In einer Liste der Depression hat der Branchendienst Techcrunch errechnet: 472 Internet- und IT–Unternehmen bauten insgesamt 337 490 Stellen ab. Allerdings: Nur zwei Dutzend gaben komplett auf.

Denn das Sparen ist heute einfacher als nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2001: Server und Datenleitungen kosten weit weniger, die grundlegende Software fast gar nichts mehr. Und es sind heute Programmiersprachen auf dem Markt, die vieles einfacher machen.

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