Start-Ups
Die Angst vor den Facebook-Folgen

Die deutsche Start-up-Szene sorgt sich nach dem verpatzten Facebook-Börsengang um ihre Investoren. Bisher scheinen zwar keine Auswirkungen erkennbar. Doch das kann sich ganz schnell ändern.
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Berlin, FrankfurtDer verpatzte Börsengang von Facebook geht auch an der deutschen Start-up-Szene nicht spurlos vorüber. „Die Unsicherheit ist da, aber es ist unheimlich schwer, vorherzusagen, wie genau die Auswirkungen von Facebook sein werden“, sagt Steffen Hoellinger, Partner von Team Europe. Das Unternehmen wurde von mehreren IT-Gründern ins Leben gerufen und begleitet Start-ups. Unter anderem hat Team Europe die erfolgreiche Internet-Neugründung Spreadshirt auf den Weg gebracht, einen Anbieter von selbst gestalteten T-Shirts.

Noch seien keine Beeinträchtigungen zu spüren, sagt Hoellinger. Tatsächlich scheinen sich die Risikokapitalgeber derzeit noch nicht signifikant zurückzuhalten bei ihren Zusagen. So konnte das Berliner Start-up Moped vor wenigen Tagen eine Million Dollar bei Geldgebern aus den USA einsammeln. Das junge Unternehmen entwickelt derzeit einen neuen Kommunikationsdienst. Auch der Online-Essensservice Lieferando bekam kürzlich 15 Millionen Euro, unter anderem vom Fonds Macquarie.

„Wir hängen hier in Deutschland nicht so sehr an den Übertreibungen, wie sie in den USA die Regel sind. Damit sind deutsche Start-ups auch zunehmend für US-Investoren attraktiv, denn die Bewertungen sind hier deutlich niedriger als in den USA“, sagt Hoellinger von Team Europe.

Und doch schauen viele in der Szene gebannt in die USA und die weitere Entwicklung, vor allem bei Facebook. „Eine grundsätzlich weniger positive Einschätzung der allgemeinen Situation kann niemand ausschließen“, warnt Hoellinger. Vor allem jene Start-ups, die Geschäftsmodelle im Umfeld von Facebook hätten, könnten in den Sog der negativen Stimmung geraten. Das gilt etwa für die Hersteller von Social-Media-Spielen. Der Kurs des US-Spieleherstellers Zynga, der seine Spiele vor allem auf Facebook anbietet, ist bereits in den Keller gegangen.

Eine pessimistischere Grundstimmung wäre ein Rückschlag für die deutsche Start-up-Szene. Sie war nie ausgesprochen stark, konnte sich aber in den letzten Jahren recht gut entwickeln, vor allem in der Hauptstadt Berlin.

Hier treffen niedrigere Lebenshaltungskosten, eine internationale Einwohnerschaft und eine ausgeprägte Untergrundszene aufeinander. Ein idealer Nährboden für Gründungen. „Berlin ist als Ort zum Wohnen und Arbeiten sehr attraktiv, und hier kosten hochkarätige Entwickler weniger als anderswo, weil alles etwas günstiger ist“, sagt Hoellinger. Oliver Strowig, Manager der Berliner Niederlassung von Michael Page, bestätigt das: „Es tut sich was“, sagt er. „Berlin wird im internationalen Kontext immer mehr wahrgenommen.“ Die Stadt werde zu einem Vorzeigestandort. Vor allem die IT- und Medienszene ist gemeint, wenn Beobachter von der „Silicon-Allee“ sprechen. Eine Wortschöpfung aus dem IT-Mekka Silicon Valley und Allee, was auf die breiten Boulevards der Stadt anspielt.

Dennoch: Gefühlt tue sich die Stadt schwer mit der Entwicklung neuer Standorte für die kreative Szene, sagt Strowig. Die Stadt habe gute Flächen, aber: Es dauere lange, Standorte wie den Flughafen Tempelhof zu erschließen. Wenn jetzt noch die Folgen von Facebook dazwischenfunken, wäre das für die Szene bitter.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Deutschlands Start-Up-Szene profitiert vom chinesischen Dissidenten Ai Weiwei: Der digitale Wandel ist essenzieller Bestandteil seiner Kunst. Interessanter Artikel auf http://www.theeuropean.de/alexander-goerlach/11753-ai-weiwei-und-digitale-start-ups

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