Stellenabbau
Analyse: Telekom im Umbruch

Milliardengewinne und massiver Stellenabbau - diese Kombination sorgt in diesen Tagen bei vielen Mitarbeitern der Deutschen Telekom für Unmut. „Wir sind besorgt nicht nur um unsere Arbeitsplätze, sondern auch um die künftige Servicequalität des Unternehmens“, sagt ein Gewerkschafter und Telekom-Mitarbeiter vor der Bonner Konzernzentrale.

dpa BONN. Wie hier sind am Mittwoch bundesweit zahlreiche Beschäftigte dem Aufruf der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gefolgt, zur Präsentation der Geschäftszahlen ihren Unmut gegen die Sparpläne des Vorstands zu äußern.

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagt Vorstandschef Kai-Uwe Ricke gleichzeitig drinnen im Saal. Und mehrfach wiederholt er den Satz: „Wir müssen jetzt handeln, um die Telekom zukunftssicher zu machen“. Worauf er anspielt, sind die dramatischen Umbrüche in der gesamten Branche: Die Wettbewerber, die der Telekom im Festnetzgeschäft Marktanteile abnehmen, die zunehmende Verdrängung des Festnetzes durch den Mobilfunk, die weiterhin harte Regulierung des Marktführers und neue technologische Entwicklungen wie der Internettelefonie, Breitband und Glasfasernetze.

Dabei gehörte Ricke keineswegs zu den eiskalten Sanierern, denen es nur um den Kapitalmarkt und um Rendite geht. Doch er kann sich den Forderungen der Geldgeber nicht entziehen: „Ich bin entschlossen, so viele Mitarbeiter im Konzern zu beschäftigten, wie es betriebswirtschaftlich möglich ist“, beteuert er. Aber den Regeln der Betriebswirtschaft und des Wettbewerbs müsse auch die Telekom folgen.

Von den 32 000 betroffenen Telekom-Mitarbeitern soll tatsächlich kein einziger entlassen werden. Umsetzen wollen Ricke und Personalvorstand Heinz Klinkhammer die Abbaupläne durch den Einsatz freiwilliger Instrumente wie Altersteilzeit, Vorruhestand und Abfindungen. Hierfür wurde immerhin eine Summe von 3,3 Mrd. Euro bereitgestellt. „In der T-Com gibt es ein strukturelles Problem“, umschreibt Klinkhammer die Lage der Sparte, die einst für die klassische Sprachtelefonie stand. Es gebe dort immer weniger Arbeit. Und in der gesamten Deutschen Telekom AG sei jeder zweite Beschäftigte ein Beamter.

Der Personalchef ist trotz der Empörung der Gewerkschafter zuversichtlich: „Ich gehe davon aus, dass es keinen Arbeitskampf geben wird“. Doch ob die jetzt anstehenden Gespräche so spannungsfrei laufen werden, ist zweifelhaft. Eine Delegation von Betriebsräten der Telekom in Nordrhein-Westfalen überreichte dem Personalchef am Mittwoch ein Protestschreiben. Niemand sei in der Lage, die Stellenabbaupläne nachzuvollziehen, hieß es darin. Und ver.di- Vorstandsmitglied Franz Treml, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef der Telekom ist, forderte den Vorstand auf, den Menschen wieder dorthin zu rücken, wohin er gehöre - in die erste Reihe.

„Wir haben eine verteufelte Entwicklung hinter uns“, sagt Klinkhammer mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre. Von den 222 000 Telekom-Beschäftigten Anfang 1995 - damals hauptsächlich Festnetz - haben bis heute fast die Hälfte das Unternehmen verlassen. Weitere 26 000 wurden in andere Töchter versetzt. Rund 50 000 neue Stellen wurden geschaffen und weitere 80 000 kamen durch Zukäufe hinzu.

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