Stellenabbau
Sat 1 spart sich die Nachrichten

Einer von Deutschlands größten Fernsehsendern verzichtet künftig weitgehend auf seine Nachrichtensendungen: Von ehemals vier bleibt noch genau ein Format bei Sat 1 erhalten. Der Kahlschlag kostet etliche Arbeitsplätze. Allerdings könnte der Schuss nach hinten losgehen.

HB MÜNCHEN/BERLIN. Insgesamt fielen 180 Stellen weg, teilte der TV-Konzern am Dienstag auf seiner Hauptversammlung in München mit und bestätigte damit Informationen aus Unternehmenskreisen. 100 der Stellen würden in Berlin und die übrigen 80 in München abgebaut. Die Gewerkschaft Verdi hatte am Montag gar von 200 bis 300 Mitarbeitern gesprochen, die in den Nachrichtenredaktionen gehen sollten.

Die Stellen sind überflüssig, weil speziell Sat 1 künftig auf seine Boulevard-Magazine und zuminest einen Teil seiner Nachrichtensendungen verzichtet. Der Deutsche Journalisten-Verband erklärte, den Mitarbeitern von „Sat 1 am Mittag“ (11 Uhr) sei am Montag mitgeteilt worden, dass die Sendung am gleichen Tag zum letzten Mal ausgestrahlt worden sei. Auch „Sat 1 am Abend“ (17.30 Uhr) sei gekippt worden. Der Sender bestätigte die Informationen inzwischen.

Von der Absetzung der beiden Sat-1-Sendungen seien insgesamt 54 Beschäftigte betroffen, die man über die Maßnahmen informiert habe, sagte Sat-1-Geschäftsführer Matthias Alberti und bestätigte damit die Meldungen. Die Programmentscheidungen sollten dazu beitragen, den Privatsender wieder auf Kurs zu bringen. Die Magazine hätten sich nicht rentabel verkaufen lassen. Ihre Einstellung habe aber keine Auswirkungen auf die Hauptnachrichten „Sat 1 News“ um 18.30 Uhr. Laut Verdi steht allerdings auch diese Sendung vor dem Aus.

Allerdings stellt Sat 1 die vom Schwestersender N24 produzierten Nachtnews Ende August ein. Dies liege allerdings vor allem an der geringen Zuschauernachfrage, sagte Alberti. Personelle Auswirkungen seien dadurch nicht zu erwarten. „Sat 1 News – die Nacht“ strahlt der Sender um kurz nach Mitternacht aus.

Weitere Sendungen sollten nicht wegfallen, sagte Alberti. Es gebe aber Überlegungen, „mit einzelnen Maßnahmen oder strukturellen Veränderungen zu optimieren“. Diese Erwägungen würden aber zunächst mit dem Betriebsrat diskutiert.

Pro Sieben Sat 1 war im Frühjahr von den Finanzinvestoren KKR und Permira geschluckt worden. Diese wiederum haben erst vor zwei Wochen ihre Luxemburger TV-Beteiligung SBS für 3,3 Mrd. Euro an Pro Sieben Sat 1 verkauft, wofür sich der Sender hoch verschulden musste. Die fusionierten TV-Unternehmen mit zusammen 6 000 Mitarbeitern und mehr als 3 Mrd. Euro Umsatz werden zum zweitgrößten Medienkonzern Europas und wollen Marktführer RTL angreifen. Der neue Konzern erhofft sich von der Fusion Synergien von rund 80 bis 90 Millionen Euro pro Jahr.

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