Stellenabbau und Verluste
Leica sucht Entspannung

Bei der an diesem Mittwoch bevorstehenden Hauptversammlung will der angeschlagene Kamerahersteller Leica den Überlebenskampf der vergangenen Monate hinter sich lassen und trotz Stellenabbau und Verlusten wieder zur Normalität zurückkehren.

HB SOLMS. „Das absolute Krisenszenario ist vorbei, jetzt wird Baustelle für Baustelle abgearbeitet“, kündigt Sprecher Gero Furchheim an. Aktionärsschützer dagegen betrachten sowohl die Finanzlage der Leica Camera AG als auch den geplanten Stellenabbau mit Skepsis. „Das Vertrauen in die Aktie haben Privataktionäre verloren“, sagt Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Nach der tiefsten wirtschaftlichen Krise seit dem Börsengang 1996 schließt Leica auch betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus. „Man kann nicht drumherumreden: Mit ganz soften Maßnahmen wie Fluktuation wird man das nicht geregelt bekommen“, erklärt Furchheim. Angesichts der laufenden Verhandlungen wollen sich Unternehmen und Betriebsrat aber nicht dazu äußern, wie viele Stellen auf der Kippe stehen. Weltweit beschäftigt das Unternehmen 996 Mitarbeiter, davon 400 in Solms bei Wetzlar. Allein in den vergangenen vier Jahren hat Leica rund 400 Stellen abgebaut. „Wenn weiter tiefe Einschnitte gemacht werden, blutet das ganze Ding aus“, warnt Edgar Zimmermann. Der Vorsitzende des Betriebsrats rechnet bis Anfang Dezember mit einer Einigung.

Trotz eines Umsatzwachstums im ersten Halbjahr 2005 steckt das Unternehmen in den roten Zahlen fest. Die Erlöse kletterten in den ersten sechs Monaten um 6,7 Prozent auf 48 Mill. Euro, beim Betriebsergebnis wurde ein Verlust von 1,9 Mill. Euro verbucht. Im Geschäftsjahr 2004/2005 (31. März) waren unter dem Strich rote Zahlen von rund 20 Mill. Euro aufgelaufen. Vor knapp drei Monaten hatte sich der Kamerahersteller das notwendige Kapital für seinen Rettungsplan gesichert. Durch die Sanierung will Leica im Geschäftsjahr 2006/2007 wieder aus der Verlustzone kommen.

Dass die beiden Großaktionäre ihre Anteile aufgestockt haben und inzwischen mehr als 70 Prozent halten, loben die Aktionärsschützer unisono. „Sonst wäre Leica weg vom Fenster“, erklärt Wilhelm Nottbohm junior von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Nach der Kapitalerhöhung besitzen der französische Luxusgüterkonzern Hermès 36,2 (vorher: 31,5) Prozent und die Austrian Capital Management mit Sitz in Salzburg 35,8 (27,2) Prozent.

Das Weihnachtsgeschäft sei für den Kamera- und Ferngläserhersteller nun entscheidend, sagt Nottbohm. „Leica hat ein reines Saisongeschäft - dass die im Sommerhalbjahr ein Minus haben, ist nichts Ungewöhnliches.“ Das Unternehmen müsse zudem die Fehler der Vergangenheit „mit Hochdruck“ beseitigen, fordert Nieding. „Die Digitalfotografie hat Leica fast völlig verschlafen, man ist dem Markt immer nur hinterhergelaufen. Gleiches gilt auch für die Sportoptik.“ Der Markt für Zielfernrohre etwa werde komplett den Wettbewerbern überlassen. Angesichts der angespannten Finanzlage bei Leica sei es jedoch schwierig, hohe Entwicklungskosten zu stemmen.

„Vorsichtig optimistisch“ sieht Nieding die Zukunft des Traditionsunternehmens, das bereits einige Sanierungsrunden hinter sich hat. „Die Produkte sind alle hervorragend - aber man muss Rolls Royce-Preise dafür bezahlen.“ Für Nottbohm ist die Krise erst vorbei, wenn der Kamerahersteller wieder Geld verdient: „Wollen wir hoffen, dass Leica es überlebt.“

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