Stellenabbau
Wen die Telekom loswerden will

Personalabbau ist bei der Deutschen Telekom ein besonders heikles Thema. Zum einen, weil er in großem Stil nötig ist, damit der ehemalige Staatskonzern wettbewerbsfähiger wird. Und zum anderen, weil der Bund als größter Aktionär bei Stellenstreichungen aus politischen Motiven zur Vorsicht mahnt.

BERLIN. Am Wochenende machten Gerüchte die Runde, der Bonner Konzern wolle 35 000 seiner rund 150 000 Mitarbeiterstellen in Deutschland abbauen. Die Telekom dementierte die Zahl nicht, ein Sprecher sagte nur: „Diese Berechnungen stammen nicht von uns. Es gibt auch kein neues Personalabbauprogramm.“ Mit dieser Aussage sorgte der Konzern auch intern für Verunsicherung. Konzernchef René Obermann hat in der Vergangenheit betont, dass es auch künftig Restrukturierungsbedarf geben werde.

Tatsächlich ist die Zahl der 35 000 Beschäftigten so verwunderlich nicht: Sie entspricht in etwa der Anzahl derjenigen, die in den Randbereichen des Konzerns arbeiten, die Obermann wie im Frühjahr angekündigt verkaufen möchte oder für die er Partner sucht. Dazu zählen unter anderem die Funktürme in den USA und Deutschland mit rund 1 000 Mitarbeitern, die Immobiliengesellschaft DeTe-Immobilien mit 6 000 Beschäftigten sowie die Rundfunktochter Media & Broadcast mit 1 000 Mitarbeitern. Zwei Festnetzgesellschaften in Spanien und Frankreich hat die Telekom bereits abgestoßen.

Die Veräußerung eines weiteren Bereichs steht offenbar unmittelbar bevor: Wie aus dem Umfeld der Telekom zu hören ist, soll in den kommenden Tagen die Techniksparte der konzerneigenen Beschäftigungsagentur Vivento, Vivento Technical Services (VTS), samt ihrer 2 000 Mitarbeiter an den Netzausrüster Siemens Nokia Networks (NSN) gehen. VTS baut und wartet Mobilfunk- und Festnetze, ebenso wie NSN.

Das jedoch erregt den Unmut der Gewerkschaft Verdi. „Die Mitarbeiter fürchten, dass ihnen ein zweites BenQ droht“, sagte Lothar Schröder, Verdi-Bundesvorstand und stellvertretender Aufsichtsratchef bei der Telekom, dem Handelsblatt. „Genau die Sparte von NSN, in die die VTS-Mitarbeiter verschoben werden, plant Entlassungen.“ Der taiwanesische Elektronikkonzern BenQ hatte im Sommer 2005 die Handy-Sparte von Siemens übernommen, musste ein Jahr später Insolvenz anmelden, die Mitarbeiter verloren ihren Job.

Auch Beobachter gehen davon aus, dass Nokia Siemens Networks kein Interesse an den VTS-Beschäftigten, sondern vor allem an der Geschäftsbeziehung zur Telekom habe, die mit dem Deal gestärkt werde. NSN wollte sich zum Thema VTS nicht äußern.

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