Steve Jobs
Hommage an eine Legende des digitalen Zeitalters

Seit heute liegt die Biografie von Steve Jobs in den Buchläden. Autor Walter Isaacson hat sich tief in die Psyche des Managers gegraben - und zeichnet das Bild eines schwierigen Genies mit komplexer Persönlichkeit.
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MünchenDie autorisierte Biografie von Apple-Gründer Steve Jobs erscheint an diesem Donnerstag mit einer hohen Auflage. 250 000 Exemplare des Buches sollen auf den Markt kommen, wie der Verlag C. Bertelsmann mitteilte. Es ist nach Verlagsangaben die einzige von Jobs selbst initiierte Biografie. Im Frühjahr 2004 habe Jobs ihn angerufen und ihn gebeten, das Buch zu schreiben, sagt Autor Walter Isaacson.

Er hat für das Buch innerhalb von zwei Jahren mehr als 40 Gespräche mit dem am 5. Oktober verstorbenen Jobs geführt. Auf fast 700 Seiten zeichnet er ein Bild von ihm als schwieriges Genie mit einer komplexen Persönlichkeit - und gibt erstaunlich viele Details aus Jobs' Privatleben preis. „Dies ist ein Buch über das schwindelerregende Leben und die unglaublich intensive Persönlichkeit eines kreativen Unternehmers“, schreibt Isaacson.

Der Autor, der schon viel beachtete Biografien über Albert Einstein und Benjamin Franklin geschrieben hat, setzt Jobs in eine Reihe mit Thomas Edison und Henry Ford, den amerikanischen Erfinder- und Industrietitanen, und kann sich damit letztlich wohl nicht ganz dem Charisma des Steve Jobs entziehen, dem das sagenumwobene „reality distortion field“ zugeschrieben wird. Alle Lebewesen, die in den Bann dieses „Realitätskrümmungsfeldes“ gelangen, sind restlos und immer davon überzeugt, dass nur einer recht hat – Jobs.

Die Biografie ist gleichzeitig eine Hommage an das Silicon Valley, wo der amerikanische Traum noch Bestand hat. Junge Menschen mit auf den ersten Blick unrealistischen Ideen bauen aus der Garage der Eltern heraus Weltimperien auf. Der Autor nimmt den Leser mit auf eine Reise in eine Zeit, als Computer noch große Kästen voll mit Elektronik waren und nur von Spezialisten bedient werden konnten.

Viele Szenen und Anekdoten sind zumindest den technisch interessierten Lesern bekannt – der Jugendstreich der „Blue Box“, mit der man sich kostenlos Telefongespräche erschleichen konnte, die erste Zeit beim Spielehersteller Atari, wo Jobs die Nachtschicht übernehmen musste, weil andere Angestellte seinen Körpergeruch nicht ertragen konnten. Dann die Gründung von Apple, erste Erfolge und Niederlagen, sein Rauswurf, die Gründung von Next und der Kauf des Animationsfilmstudios Pixar, der der eigentliche Grundstein seines Vermögens werden sollte.

Ausführlich widmet sich Isaacson dem zweiten Aufstieg von Jobs bei Apple, beschreibt seine unnachahmliche Art, jeden Produktlaunch wie das Hochamt der High-Tech-Industrie zu zelebrieren. Das Kapitel, in dem er sich detailliert und einfühlsam mit dem aussichtslosen Kampf gegen den zurückkehrenden Krebs befasst, zeigt deutlich, wie nah der Journalist Isaacson dem Objekt seines Buchs zum Schuss gekommen sein muss.

Das Buch huldigt einem der wohl größten Visionäre unserer Zeit. Er hat mit seinen Produkten ganze Industrien verändert. Seinen Fokus auf Einfachheit und Funktionalität führt er nicht zuletzt auf sein Studium des Zen während seiner Zeit in Indien zurück, auf Konzentration auf das Wesentliche, das Hier und Jetzt und Meditation.

Eine ausführliche Rezension lesen Sie morgen auf den Literaturseiten des Handelsblatt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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