Ortstermin in einer Audio-Fabrik. Auf dem Produktionsprogramm: ein Hörspiel. "Au weia" schimpft Ludger Burmann mit Blick auf sein Manuskript in breitem westfälischem Akzent, "dat wird 'n Gekrakel."
Alles muss dem Fluss der Sprache entsprechen. Klingt es gestelzt, fliegt es raus. Sprecher und Regisseur feilen, entfernen Sätze, ganze Absätze gar, wenn es sein muss. Was gestrichen ist, kann beim Publikum nicht durchfallen. Regisseur Pragua beruhigt: "Ich hab? schon ganz andere kalligrafische Kunstwerke gesehen."
Beim WDR, im Schatten des Kölner Doms, produzieren Karoline Eichhorn, Ludger Burmann und Effi Rabsilber an diesem Tag ein Hörspiel der Thrillerautorin Petra Hammesfahr. Der Plot: Zwei Frauen kämpfen um ein Baby. Ein Mann vom Schlüsseldienst gerät zwischen die Fronten - ein "Alptraum", in dem sich die Frauenstimmen gern auch mal hysterisch überschlagen dürfen. "Ich liebe die Übertreibung", sagt Eichhorn, die einst den renommierten Grimme-Preis gewann.
Für Schauspieler gehört es inzwischen zum guten Ton, die Stimme in den Dienst der Literatur zu stellen. Bei Tagesgagen von 700 bis 1 000 Euro für Stimmenstars wie Rufus Beck ("Harry Potter") gibt Geld dabei sicher auch, aber nicht allein den Ausschlag. Günther Lamprecht etwa soll das Sprechen vor dem Mikrofon als eine Art "Sprach-Tüv" schätzen, bei dem der Schauspieler von Zeit zu Zeit seinen Ausdruck schärft.
Halswirbel knacken. Das letzte Gurgeln eines Ertrinkenden. Eine Motorsäge jault. Der Tod hat viele Klänge.
Rund 20 000 Audiobooks sind lieferbar. Alljährlich kommen an die 2 000 neue hinzu. Den Händlern macht die Titelflut zu schaffen. Bisweilen können die Verlage nur noch ein Drittel des Programms im Sortiment platzieren - ebenjene CDs, die das Potenzial zum Bestseller haben.
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