Störung: ARD und ZDF befürchten Schrottbilder

Störung
ARD und ZDF befürchten Schrottbilder

Kann es sein, dass der telefonierende Nachbar mit seinem Handy den ARD-„Tatort“ am Sonntagabend in der Nachbarwohnung blockiert? ARD und ZDF haben die schlimmsten Befürchtungen sollte am nächsten Montag die Mobilfunkfrequenzen versteigert werden.
  • 1

DÜSSELDORF. Die Sender warnen vor millionenfachen Schrottbildern. „Die Voraussetzungen für die Räumung der Rundfunkkanäle 61 bis 69, und zwar befriedigende Lösungen der Störproblematik sowie eine Kostenerstattung für die Verlagerung der DVB-T-Sender und Drahtlosmikrofone, sind bisher nicht erfüllt“, sagte Bertram Bittel, SWR-Technikdirektor und Chef der Technik-Kommission von ARD und ZDF gestern dem Handelsblatt.

„Die Politik hat das Störpotenzial nicht ausreichend berücksichtigt“, sagt eine ARD-Sprecherin in Stuttgart. Die Rundfunkanstalten befürchten, der Fernsehempfang über das terrestrische Digital-TV (DVB-T) und über Kabel massiv gestört werden könnte. Außerdem müssen die Sender drahtlose Mikrophone umrüsten oder gar neu kaufen. „Wir hätten einen enormen Aufwand für Umrüstung oder Neuanschaffungen“, warnte gestern eine ARD-Sprecherin.

Ein ZDF-Sprecher stößt ins selbe Horn: „Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, dass im Vorfeld nicht ausreichend getestet wurde, welche Störungen durch die neue Frequenzverteilung beim TV-Empfang entstehen können. Grundsätzlich muss sichergestellt werden, dass die Verursacher von möglichen Schäden dafür aufkommen.“ Die Bundesnetzagentur will nun bislang ausschließlich für Fernsehen und Radio reservierte Frequenzen auch für Mobilfunk nutzbar machen. Teile der ARD wollen sich die Auktion der Bonner Behörde aber nicht gefallen lassen. So haben der Westdeutsche Rundfunk (WDR), der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und der Südwestrundfunk (SWR) eine Klage beim Verwaltungsgericht Köln eingereicht, um die Auktion im letzten Moment noch zu stoppen.

Denn über Jahrzehnte konnten die Rundfunkanstalten Funkbereiche nutzen, die nun an die Handyanbieter meistbietend verkauft werden sollen. Das geht Vielen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gegen den Strich. „Wir bedauern es sehr, dass die Frequenzvergabe durch die Digitale Dividende an den Mobilfunk in jeder Hinsicht zu Lasten der Rundfunk- und der Kulturwirtschaft geht“, sagt Bittel, Chef der Technik-Kommission von ARD und ZDF.

Einen Praxistest für die Fernsehunternehmen nach einer Vergabe an Vodafone & Co. gibt es bislang noch nicht. Denn Deutschland ist das erste Land, dass eine derartige Auktion von frei werdenden Mobilfunkfrequenzen durchführt. Experten befürchten, dass womöglich die Empfangsgeräte für DVB-T nutzlos werden könnten. Seit der Einführung des digitalen Antennenfernsehens wurden bundesweit mehr als 20 Mio. solcher Boxen verkauft.

ARD und ZDF, aber auch die Privatsender, beobachten seit Jahren kritisch die Versteigerung der Frequenzen durch die Netzagentur.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Störung: ARD und ZDF befürchten Schrottbilder"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Kein Wunder, dass die Fernsehanstalten Probleme mit der Vergabe der Lizenzen an Mobilfunkanbieter haben. Durch die damit verbundenen hohen Übertragungsraten lassen sich zukünftig dann auch jenseits der traditionellen TV Sender Filme und andere bewegtbildbeiträge in hoher Qualität im Netz distribuieren. Das kann den Sendern nur ein Dorn im Auge sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%