Strategiestreit
Aufsichtsräte kritisieren Telekom-Chef Ricke

Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke gerät zunehmend unter Druck. Im Aufsichtsrat der Deutschen Telekom wächst die Ablehnung gegen einen Kompromiss bei der Vertragsverlängerung für den Vorstandsvorsitzender des Bonner Konzerns. „Halbe Sachen sind mit uns nicht zu machen“, sagte ein Aufsichtsrat.

DÜSSELDORF. Auch auf Arbeitnehmerseite wächst die Kritik am Konzernchef: Auf die Frage, ob Rickes Vertrag verlängert wird, sagte der Verdi-Bundesvorstand und Telekom-Aufsichtsratsvize Lothar Schröder der „Frankfurter Rundschau“: „Ich möchte mich nicht über anstehende Personalentscheidungen äußern. Ich kann nur aus Sicht von Verdi berichten, dass die Anzahl derer, die massiv Kritik an Rickes Strategie üben, stark zunimmt.“ Die Telekom-Aktie war gestern mit einem Rückgang von 1,25 Prozent der Verlierer unter den 30 Dax-Werten.

Der Vertrag für Konzernchef Ricke läuft genau in einem Jahr aus. Verschiedene Medien hatten berichtet, dass der Vertrag des 44-jährigen Konzernlenkers lediglich um drei Jahre verlängert werden soll. Vor kurzem hatte Post-Chef Klaus Zumwinkel, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telekom, Spekulationen über eine verkürzte Amtszeit für Ricke als „blanken Unsinn“ zurückgewiesen. Weitere Kommentierungen lehnt Zumwinkel derzeit ab.

Unterdessen rief gestern die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zu Warnstreiks bei den Tarifgesprächen für 6 300 Beschäftigte in den Läden der Telekom auf. Nach Gewerkschaftsangaben legten etwa 200 Telekom-Mitarbeiter die Arbeit nieder. Verdi will mit diesen Aktionen die Telekom dazu bewegen, ein Tarifangebot vorzulegen. Verdi fordert eine Gehaltserhöhung um sechs Prozent und eine Sicherung der Lehrstellen.

Ricke ist derzeit vielfach gefordert: Der Großaktionär Blackstone ist mit dem Kurs der Führungsriege angesichts des niedrigen Aktienkurses unzufrieden. Der britische Hedgefonds Laxey Partners schrieb erst vor wenigen Tag an Aufsichtsratschef Zumwinkel und forderte einen Strategiewechsel. Sowohl beim US-Geschäft als auch beim Immobilienbesitz solle geprüft werden, ob sie im Konzern bleiben sollen. Dabei hat Ricke gerade erst das stark wachsende Mobilfunkgeschäft in den USA zum Kern der Telekom-Strategie erklärt.

Laxey sieht in einem Verkauf des US-Geschäfts die Möglichkeit, Finanzmittel für den Heimatmarkt frei zu machen. „Der Wert spiegelt sich nicht angemessen im Aktienpreis der Telekom wider“, schreibt Laxey-Chef Colin Kingsnorth an Zumwinkel. „Der Telekommarkt erfordert einen klaren Fokus auf die Ressourcen Management-Zeit und Kapital.“ Wie groß das Aktienpaket von Laxey an der Telekom derzeit ist, gibt das Unternehmen nicht bekannt.

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