Strategiewechsel: Müller gibt RAG neues Standbein im Energiegeschäft

Strategiewechsel
Müller gibt RAG neues Standbein im Energiegeschäft

Die Töchter Steag und Saarberg werden verschmolzen. RWE ist als Partner im Gespräch.

juf/tom/jsn DÜSSELDORF. Der Strategiewechsel bei der Essener RAG unter dem neuen Vorstandschef Werner Müller ist perfekt: Die ehemalige Ruhrkohle bekommt neben den Bereichen Bergbau, Chemie und Immobilien ein starkes Standbein im Energiegeschäft. Hierzu werden die deutschen Aktivitäten des Kraftwerksbauers- und -betreibers Steag mit dem Energiegeschäft der Tochter Saarberg verschmolzen. Dies kündigte Müller in einem Brief an die Belegschaft an, der dem Handelsblatt vorliegt. Die RAG will hierfür Partner gewinnen. Es gebe mehrere Interessenten, unter anderem RWE, heißt es in Unternehmenskreisen.

Der Aufsichtsrat der RAG hatte in seiner jüngsten Sitzung die Pläne gebilligt. Damit ist der unter Müllers Vorgänger Karl Starzacher eingeleitete Komplettverkauf der beiden Töchter vom Tisch, mit der dieser die Übernahme des Spezialchemieherstellers Degussa finanzieren wollte. Abgegeben werden nun lediglich die Randaktivitäten von Saarberg und das internationale Geschäft der Steag. Die RAG rechne mit einem raschen Verkauf, hieß es in den Unternehmenskreisen.

Die neue „Energiesäule“, wie sie Müller nennt, wird rund 8 % der deutschen Stromerzeugung abdecken. Die Steag betreibt an Rhein und Ruhr fünf große Steinkohlekraftwerke und verfügt bereits über die Genehmigung für den Bau neuer Anlagen, Saarberg wiederum hat drei Kraftwerke und mit der Tochter Saar Ferngas eine profitable Gasgesellschaft im Portfolio.

Müller hatte bereits kurz nach seiner Amtsübernahme im Gespräch mit dem Handelsblatt (28.7.2003) angedeutet, dass er die Steag gerne behalten würde. Inzwischen ist es dem Ex-Wirtschaftsminister gelungen, die Degussa-Übernahme anders zu finanzieren und den Schuldenberg von rund 1,58 Mrd. Euro abzubauen. Der Verkauf der Auslandszechen, den Müller bereits vor Monaten angekündigt hat, soll rund 700 Mill. Euro einspielen, wie es in Unternehmenskreisen hieß. 300 Mill. Euro erhofft sich die RAG von der Abtrennung des internationalen Geschäfts der Steag. Jeweils 100 Mill. Euro sollen der Verkauf der Konzernzentrale, die die RAG zurück mieten will, und der Bauchemiefirma Bozetto einbringen.

300 Mill. Euro schließlich soll der Partner mitbringen, den die RAG für die Energiesparte sucht. Zur Zeit verhandelt sie mit Gaz de France und der belgischen Electrabel. Beide so heißt es, hätten einer Verschmelzung zugestimmt. Dies dürfte aber der zweitwichtigste RAG-Anteilseigner, die RWE, zu verhindern versuchen. Vorstandschef Harry Roels hat wiederholt sein Interesse signalisiert. Mit den Verhandlungen mit ausländischen Interessenten will die RAG offenbar den Druck auf Roels erhöhen, der mit einer Entscheidung zögert.

Die RWE kann nach Einschätzung von Branchenexperten kein Interesse an einem Einstieg eines ausländischen Konkurrenten haben: Der Konzern ist der größte Abnehmer des Steag-Stroms. Die Vereinbarung läuft noch bis 2008. Weil RWE zusätzliche Kraftwerkskapazitäten benötigt, ist sowohl eine Verlängerung der Verträge als auch der gemeinsame Bau von Kraftwerken an den Steag-Standorten reizvoll.

Roels dürfte auf Zeit spielen, weil er die Verhandlungen über die Ausgestaltung des Emissionshandels abwarten will. Nach den Plänen des Umweltministeriums müssen Betreiber von Kohlekraftwerken mit Belastungen rechnen, was die Attraktivität der Steag schmälern würde. Wenn eine befriedigende Ausstattung der Steag-Kraftwerke mit Emmissionszertifikaten erreicht werden sollte, „dann sei dieses Asset sehr attraktiv“, heißt es in RWE-Kreisen. Ein Sprecher lehnte einen Kommentar aber ab.

Nicht nur wegen den Unsicherheiten über den Emissionsrechtehandel ist der Strategieschwenk der RAG bei Energieexperten nicht unumstritten. Bis die Nachfrage nach zusätzlichen Kraftwerken anziehe, müsse die RAG eine Durststrecke überwinden, meint der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt. Um dies zu überbrücken, hätte das Auslandsgeschäft helfen können. Doch gerade das stoße Müller ab.

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