Strategiewechsel steht bevor
Personalpoker bei Telecom Italia

Bei Telecom Italia hat das Personalpoker begonnen. Der neue Eigentümer, die Holding Telco, will in diesen Tagen entscheiden, wer Telecom Italia in Zukunft führen soll. Der ehemalige Medio-Banca-Chef Gabriele Galateri di Genola gilt als Favorit für den Präsidentenposten.

MAILAND. Di Genola könnte bereits an diesem Donnerstag ernannt werden, wenn der Verwaltungsrat tagt, um die Quartalszahlen abzusegnen.

Im Oktober hat Telco, deren größter Aktionär die spanische Telefonica ist, die Kontrolle an dem ehemaligen Monopolisten übernommen. Insgesamt hält die Holding, an der auch die Banken Mediobanca und Intesa Sanpaolo, der Versicherer Generali und die Benetton-Gruppe beteiligt sind, 23,6 Prozent des Kapitals von Telecom Italia. Bisher sitzt dem Unternehmen der ehemalige ST-Microelectronics-Chef Pasquale Pistorio vor, exekutiver Vize-Präsident ist Carlo Buora. Den Posten des Vorstandsvorsitzenden hält derzeit Riccardo Ruggiero.

Finanzkreise gehen davon aus, dass die neuen Eigentümer das Top-Management auswechseln und einfacher strukturieren werden. Voraussichtlich wird der Präsident in Zukunft weniger Macht haben als unter Pirelli, als der Pirelli Chef Marco Tronchetti-Provera lange Zeit sogar gleichzeitig Präsident des Telekom-Riesen war. Dagegen soll der Vorstandsvorsitzende mächtiger werden.

Als mögliche Kandidaten für den Vorstandsvorsitz gelten unter anderem Flavio Cattaneo, der Vorstandsvorsitzende des Stromnetzbetreibers Terna, und Stefano Parisi, der Vorstandsvorsitzende von Fastweb, das dieses Jahr von Swisscom übernommen wurde. Parisi würde wertvolles Branchen-Know-how mitbringen. Schließlich hat Fastweb – mit Festnetz, Internet und Fernsehen per Internet-Protokoll der erste sogenannte Triple Player weltweit – der Telecom Italia jahrelang heftige Konkurrenz geliefert.

Erst wenn das neue Management feststeht, wird sich zeigen, welche Richtung der italienische Telekom-Konzern einschlagen wird. Wie andere Unternehmen der Branche leidet der Platzhirsch in Italien unter sinkenden Umsätzen im Festnetzgeschäft und einem stärkenden Konkurrenzdruck im Mobilfunk. Bisher war vor allem das Brasiliengeschäft der Wachstumsmotor der Telecom Italia. Dort betreibt Telecom Italia mit TIM Brasil die schnell wachsende Nummer zwei des Markts.

Theoretisch hätten Telefonica und Telecom Italia in Brasilien erhebliche Synergien heben können, da die Spanier dort die Hälfte der Anteile der Nummer Eins, Vivo, halten. Doch die dortige Aufsicht verlangt von den beiden Unternehmen, dass sie ihre Töchter weiterhin separat betreiben.Ein Analyst von Morgan Stanley macht klar, dass das Augenmerk am Donnerstag weniger auf den Zahlen als auf dem neuen Management und der möglichen Strategie liegt. Er schließt nicht aus, dass „die neuen Eigentümer die Dividenden kürzen, um eine größere strategische Flexibilität zu garantieren“. Für Telecom Italia wäre das eine klare Wende. Pirelli hatte sich damals für den Telecom-Italia-Kauf hoch verschuldet und sich später hohe Dividenden gezahlt, was zu Lasten der Investitionen ging.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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