Strategiewechsel
Telekom behält mehr von T-Systems

Der deutsche Telekomriese ändert seine Strategie und sucht nur noch für kleinere Teile der Geschäftskundensparte einen Partner. Dieser Schritt sei jedoch alles andere als freiwillig, heißt es in gut informierten Kreisen. Vielmehr fehlen dem Bonner Konzern echte Alternativen.

DÜSSELDORF. Die Deutsche Telekom hat die Strategie zur Sanierung ihrer Geschäftskundensparte T-Systems geändert. Der Konzern sucht nun keinen Partner mehr für das gesamte, sondern nur noch für einen Teil des IT- und Großkundengeschäfts, nämlich die Entwicklung neuer Anwendungen und die Systemintegration. Das hat das Handelsblatt aus der Führungsriege der Telekom erfahren. Das Unternehmen selbst wollte sich dazu nicht äußern. Vorstandschef René Obermann hatte im März erklärt, er suche einen Partner für den Großkunden- und IT-Bereich von T-Systems und gebe sich auch mit einem Minderheitsanteil zufrieden. Damit wollte er die kriselnde Sparte wieder flottmachen. T-Systems ist international nicht breit genug aufgestellt, um weltweit tätige Unternehmen als Kunden zu gewinnen.

In der Branche heißt es, die Telekom ändere ihr Vorgehen, weil sie keinen strategischen Partner finden konnte. Ende Juli hatte der französische IT-Dienstleister Cap Gemini erklärt, er wolle kein Angebot abgeben. Kurz zuvor war der US-Anbieter EDS abgesprungen.

In Konzernkreisen heißt es jedoch, der Strategieschwenk habe andere Gründe. Man wolle doch nicht auf das komplette Großkunden- und IT-Geschäft verzichten, sagte ein hochrangiger Telekom-Manager. Hintergrund sei die Überzeugung, dass Kunden künftig IT- und Telekommunikationsdienste aus einer Hand beziehen wollten. Unternehmenskunden stellt die Telekom bei dem Konzept nicht nur Telefon- und Internetanschlüsse zur Verfügung, sondern auch Rechenzentren, die sie betreibt und wartet. Offenbar haben sich potenzielle Partner aber schwer damit getan, genau dieses kombinierte Konzept mitzutragen. Bei der nun geplanten kleinen Lösung soll ein Partner nur neue Anwendungen entwickeln und die Systeme integrieren. „Solch ein Modell wäre für die Telekom durchaus sinnvoll“, sagt Diethard Bühler von der Unternehmensberatung Arthur D. Little. „Die Anwendungsentwicklung ist eine potenzielle Perle, die aber auch hohe Kosten bei unsicheren Erträgen mit sich bringt.“ Das liegt daran, dass stets unklar ist, ob sich eine Entwicklung später auch im Massenmarkt durchsetzt.

Großunternehmen wollen keine Standardprodukte, sondern individuell für ihre Bedürfnisse entwickelte IT-Lösungen. Das aber, so heißt es in der Branche, können die großen Anbieter wie IBM oder Accenture bisher besser leisten als T-Systems. Sie haben meist eine Niederlassung in Asien oder Indien und können Entwicklungsaufgaben billiger anbieten.

Auch bei der Integration von Systemen sind die IT-Granden nach Meinung von Beobachtern im Vorteil. Integrationsaufgaben fallen etwa an, wenn ein Unternehmen an zwei Standorten mit unterschiedlicher Software arbeitet. Experten erwarten, dass die Telekom für die Teilbereiche leichter einen Partner finden dürfte, weil beide zum Kerngeschäft von IT-Dienstleistern gehören. Die Marktforscher von IDC sagen dem deutschen IT-Geschäft zudem Wachstum voraus. Ein wichtiger Treiber dabei sei die Systemintegration.

Unklar ist noch, wie viele Mitarbeiter in die Partnerschaft eingebracht werden sollen. Bei der Telekom ist von 20 000 die Rede. In der Branche heißt es, da liege das Problem: Die Telekom wolle einem Partner möglichst viele Mitarbeiter übertragen, um sie bequem loszuwerden. T-Systems gilt als personell stark überbesetzt. Die Partner wiederum wollten dabei nicht mitspielen. Als Favorit für die Partnerschaft nach neuem Zuschnitt gilt nun einer der drei führenden indischen IT-Dienstleister Infosys, Tata und Wipro.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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