Strategiewechsel
Time Warner verliert Geduld mit AOL

Die Geduld von Time Warner mit seiner Internet-Tochter AOL ist am Ende. Mit einem radikalen Strategiewechsel soll AOL endlich den Anschluss an den übermächtigen Konkurrenten Google finden. Die Kunden sind die Gewinner des neuen Kurses.

DÜSSELDORF. Wie Time Warner am gestrigen Mittwoch mitteilte, werden künftig E-Mail und Software bei AOL für Breitband-Kunden kostenlos sein. Statt Abonnement soll das Internetportal über Werbung finanziert werden. Konzernchef Richard Parsons lobte bei der Vorstellung der Quartalszahlen ausdrücklich die „eindruckvollen Werbeeinnahmen“ von AOL.

Die von Parsons vollzogene Kehrtwende kommt nicht überraschend. Bereits seit Wochen wird an der Wallstreet über die Abkehr vom Abo-Modell bei AOL diskutiert.

Ein Neuanfang bei AOL ist dringend notwendig. Denn Erträge und Erlöse sind rückläufig. Wie der Medienkonzern gestern mitteilte, sank der Umsatz im vergangenen Quartal von AOL um zwei Prozent auf 2,05 Mrd. Dollar. Die Abo-Einnahmen sanken sogar um elf Prozent. Auch der operative Gewinn sank um fünf Prozent auf 328 Mill. Dollar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Für den Plan von COO Jeff Bewkes gibt es aber nicht nur Beifall. „Das ist ein riskantes Spiel“, sagt Analystin Laura Martin von der Soleil Securities Group. Auch Anthony Noto, Internetanalyst von Goldman Sachs, sagte: „Die AOL-Strategie ist mehr ein Risiko als eine Chance.“ Die Banker befürchten dass durch den kostenlosen E-Mail-Dienst nun AOL in Scharen die Abonnenten weglaufen könnten. Die gestern vorgelegten Zahlen sind für den einstigen Internetstar bitter. Allein in letzten Quartal verlor AOL in den USA knapp eine Mill. Abonnenten. Ihn Europa kehrten 218 000 feste, regelmäßige Nutzer dem Internetportal den Rücken. Derzeit zählt AOL in den Vereinigten Staaten noch knapp 18 Mill. Mitglieder. In Europa sind es nur noch 5,7 Mill. Abonnenten.

Hintergrund der Neupositionierung von AOL als offenes Internetportal ist das rasante Wachstum der Online-Werbung. In den USA, aber auch in Europa steigen die Reklameausgaben im Internet zweistellig. Allein in den Vereinigten Staaten beläuft sich das Volumen der Online-Werbung auf rund acht Mrd. Dollar.

Seite 1:

Time Warner verliert Geduld mit AOL

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%