Strategiewechsel und Abhörskandal
Telecom Italia bemüht sich um Schadensbegrenzung

In der Diskussion um die neue Strategie und den jüngsten Abhörskandal versucht das Management von Telecom Italia, die Märkte zu beruhigen. Der Konzern plane derzeit keinerlei Verkäufe, erklärte der neue Präsident Guido Rossi gegenüber der italienischen Börsenaufsicht Consob. In beiden Fällen scheint das letzte Wort aber noch nicht gesprochen zu sein.

MAILAND. Damit reagierte Rossi auf die Verunsicherung über die geplante Reorganisation von Telecom Italia und einen möglichen Verkauf der Mobilfunktochter TIM. Vor zwei Wochen hatte der damalige Telecom-Italia-Präsident Marco Tronchetti Provera eine strategische Kehrtwende angekündigt. Statt wie zuvor auf die Konvergenz aus Mobilfunk und Festnetz zu setzen, hatte er die Ausgliederung der beiden Töchter aus dem Konzern verkündet und das Zusammenspiel von Medien und Internet propagiert. Beobachter rechneten als Konsequenz mit einem Verkauf der Mobilfunktochter TIM. Der Plan schlug erhebliche Wellen und Tronchetti Provera, der gleichzeitig auch Präsident und Hauptaktionär von Pirelli ist, trat wenige Tage später zurück.

„Derzeit ist keine Änderung des Spektrums der Aktivitäten von Telecom Italia vorgesehen“, ließ das neue Management unter Rossi wissen. Beobachter glauben dennoch nicht, dass das Thema TIM vom Tisch ist. „Wenn ein attraktives Angebot vorliegt, ist es die Pflicht des Managements, es in Betracht zu ziehen“, sagt Matthieu Robilliard, Telekom-Analyst von Exane BNP Paribas. Am wahrscheinlichsten hält er einen Verkauf der brasilianischen Mobilfunktochter: „Es macht viel Sinn, TIM Brasil zu verkaufen“, so Robilliard. Vor allem für einen südamerikanischen Anbieter, der Synergien heben kann, sei die profitable Tochter viel wert.

Außer der abrupten Strategiewende macht Telecom Italia und Pirelli, das den Telekomkonzern de facto kontrolliert, ein großer Abhörskandal zu schaffen. Mitarbeiter eines externen Sicherheitsdienstes hatten illegal Telefongespräche abgehört, vermutlich mit der Absicht, die Informationen weiter zu verkaufen. Außer Wirtschaftsgrößen, Sportlern und Journalisten sollen auch die Pirelli-Konkurrenten Michelin, Goodyear und Continental abgehört worden sein. Am Montagabend betonte Tronchetti Provera vor der Presse, Telecom Italia und Pirelli seien bei dem Skandal selbst „Geschädigte“. Das Unternehmen selbst habe keine Gespräche abgehört.

Vorige Woche waren 21 Personen verhaftet worden. Am gestrigen Dienstag verlautete aus Justizkreisen, dass vier weitere Personen – Polizisten und Justizbeamte – festgenommen wurden, weil sie Informationen über die Untersuchungen weitergegeben haben sollen.

Völlig überzeugt sind die Investoren noch immer nicht: Nach den drastischen Kursverlusten der vergangenen zwei Wochen gab die Aktie von Telecom Italia am Dienstag erneut leicht nach; Pirelli legte nur um knapp zwei Prozent zu.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%