Streit mit Großaktionär Vincent Bolloré schwelt weiter: Frankreichs Werberiese Havas verlässt die roten Zahlen

Streit mit Großaktionär Vincent Bolloré schwelt weiter
Frankreichs Werberiese Havas verlässt die roten Zahlen

Der sechstgrößte Werbekonzern der Welt, Havas, hat sich im vergangenen Jahr aus den roten Zahlen gearbeitet und mit seinem Gewinn die Erwartungen übertroffen. Der französische Werbe-Spezialist erzielte 2004 ein Netto-Ergebnis von 34 Mill. Euro nach einem Minus von 396 Mill. Euro im Jahr zuvor.

PARIS. Havas profitierte von der Belebung der Werbemärkte und vom Verkauf nicht profitabler Töchter. Angesichts der guten Ergebnisse zog Havas-Chef Alain de Pouzilhac sein Rendite-Ziel vor: „Wir werden bereits 2006 eine Marge von 15 Prozent erzielen.“ Bisher war diese Marke für 2007 angepeilt. Im vergangenen Jahr erreichte die Marge 13,2 Prozent und übertraf damit die Analysten-Erwartungen von durchschnittlich 12,6 Prozent. Der Umsatz war auf Grund von Verkäufen rückläufig. Für 2005 stellte de Pouzilhac dank sinkender Kosten und einer Belebung des Geschäfts weiter steigende Margen in Aussicht, ohne präziser zu werden. Die Börse begrüßte die Ergebnisse mit einem Kursanstieg von 2,5 Prozent.

Die unsicheren Zeiten sind für Havas damit nicht vorbei. Denn nach wie vor lähmt den Konzern der Streit mit seinem neuen Großaktionär, Vincent Bolloré. Der in Frankreich als Raider gefürchtete Investor hält mittlerweile 20 Prozent an Havas und ist damit größter Einzelaktionär. „Wir wissen immer noch nicht, was Bolloré vorhat“, sagte de Pouzilhac. Bis heute habe Bolloré auf entsprechende schriftliche Anfragen nicht reagiert. Bolloré erklärte in einer Anzeige an die Börsenaufsicht lediglich, dass er „nicht unverzüglich“ die Kontrolle bei Havas anstrebe.

Havas-Chef de Pouzilhac bekräftigte gestern, dass es „im Falle einer Konfrontation auf der Hauptversammlung mindestens ein Gleichgewicht an Stimmen gibt, um eine Übernahme abzuwehren“. Dabei stütze er sich weniger auf einen festen Aktionärsblock. Die Havas-Leitung baut vielmehr auf eine „spontane Unterstützung“ des Managements durch die übrigen Aktionäre, die eine Übernahme des Werberiesen vereiteln wollen, ohne dass eine Prämie gezahlt wird. Der genaue Termin der Hauptversammlung steht noch nicht fest; sie wird voraussichtlich Ende Mai oder Anfang Juni stattfinden.

Der Hickhack mit Bolloré bremst indes das Geschäft von Havas. Seit längerem sucht die Havas-Tochter MPG, die Werbeflächen und -zeiten in Medien einkauft, einen Partner. Doch solange die Lage im Havas-Aktionärskreis so unübersichtlich bleibt, sieht sich das Management außer Stande, ein Abkommen zu schließen. Bolloré hatte sich bereits gegen den Kauf des Wettbewerbers Grey durch Havas gestemmt. Grey wurde schließlich von der britischen WPP übernommen.

Außer dem Streit mit Bolloré machte Havas mit dem Verlust zweier wichtiger Werbekunden Schlagzeilen: Volkswagen in Nordamerika und Intel. Der Havas-Chef verweist dagegen auf den Anstieg des Neugeschäfts von 59 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro. Neue Kunden wie Charles Schwab oder Sanofi-Aventis hätten den Verlust kompensiert. De Pouzilhac räumte gestern aber ein, dass die Konzernzahlen noch besser gewesen wären, hätte Havas VW und Intel nicht verloren.

Für die Werbemärkte 2005 zeigte sich de Pouzilhac optimistisch, er rechnet mit einem Wachstum weltweit von fünf Prozent. Wachstumstreiber ist Asien. Europa würde 2005 dynamischer als 2004 verlaufen, der Havas-Chef erwartet ein Marktwachstum von rund fünf Prozent, vor allem dank einer Marktbelebung in Großbritannien. Umsatzziele nannte er für sein Unternehmen nicht– außer, dass Havas in Großbritannien und den USA nach Rückgängen im vergangenen Jahr wieder wachsen wolle.

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