Streit mit Oracle
SAP wechselt die Strategie

Unmittelbar vor Beginn des Industriespionageprozesses gegen SAP ändert Europas größter Softwarehersteller seine Verteidigungsstrategie. Die Walldorfer wollen sich nicht länger gegen den Vorwurf ihres US-Widersachers Oracle wehren, das Konzernmanagement habe von unlauteren Datenabrufen seiner amerikanischen Tochterfirma Tomorrow Now auf der Oracle-Website gewusst und diese somit gebilligt. Die Verantwortung hatte SAP als Mutterfirma ohnehin längst übernommen.
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HB NEW YORK. Mit dem Schritt will SAP etwa die Frage, wie lange der Konzern von dem Vorgehen von Tomorrow Now wusste, gänzlich aus dem Prozess ausklammern. Nach dem Willen der Deutschen soll nur noch die Höhe des entstandenen Schadens geklärt werden. Hier liegen die Vorstellungen der Seiten weit auseinander.

Die Deutschen wollten damit das Verfahren beschleunigen und Oracle weniger Gelegenheit für Angriffe gegen "Personen und Unternehmen bieten, die nicht einmal Beteiligte dieser Auseinandersetzung sind", wie Anwalt Tharan Lanier an die zuständige Richterin Phyllis Hamilton schrieb.

Oracle hatte kürzlich überraschend angekündigt, auch den ehemaligen SAP-Chef und neuen HP-Lenker Leo Apotheker in den Zeugenstand rufen zu wollen. "Der Punkt ist, dass Oracle schlicht und einfach vorhat, das wochenlange Verfahren zu nutzen, um seine Wettbewerber zu schikanieren", erklärte Lanier.

Eine Oracle-Sprecherin verbuchte den SAP-Schritt indes als Sieg für sich. Dreieinhalb Jahre habe das SAP-Management eine Mitwisserschaft geleugnet. "Heute hat SAP schließlich zugegeben, dass sie schon die ganze Zeit von dem Diebstahl wussten."

Seit Monaten überzieht der für seine aufbrausende Art bekannte Oracle-Chef Larry Ellison sowohl SAP als auch den Computerkonzern HP mit bissigen Kommentaren. "In diesem Verfahren geht es um Urheberrechtsverletzungen", schrieb SAP-Anwalt Lanier. Oracle wolle stattdessen einen "Medienzirkus" daraus machen, damit Ellison seine "Obsession" gegenüber dem Konkurrenten Hewlett-Packard (HP) ausleben könne.

Seit drei Jahren streiten sich SAP und Oracle um die Verantwortlichkeiten für den Datenklau und den Schadenersatz. Oracle verlangt einen Milliardenbetrag, SAP sieht mehrere zehn Mio. Dollar als ausreichend an. Der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware hat für den Fall einer Verurteilung 160 Mio. Dollar zurückgelegt.

Die inzwischen geschlossene Servicetochter Tomorrow Now hatte Oracle-Software im Auftrag von Firmenkunden gewartet. Dazu luden die Mitarbeiter mehrfach unrechtmäßig Daten von der Website des Rivalen herunter. Der Prozess soll am 1. November beginnen. Oracle hatte zuletzt beantragt, den Auftakt auf 4. November zu verschieben.

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