Streit um Börsengang
Bertelsmann hält sich alle Optionen offen

Der Börsengang von Europas größter Medienkonzern Bertelsmann ist weiterhin offen: Das Unternehmen erklärte jetzt, es sei darauf vorbereit die Forderung des Minderheitsaktionärs Group Bruxelles Lambert (GBL) nach einem Gang aufs Börsenparkett zu erfüllen. Doch sei Bertelsmann auch in der Lage, die Beteiligung von GBL „zu einem angemessenen Preis zurück zu erwerben“.

HB GÜTERSLOH. Der Hintergrund: Ab dem morgigen Dienstag kann die belgische Investmentfirma einen Börsengang des mehr als 170 Jahre alten Gütersloher Familienimperiums verlangen. Die Belgier halten insgesamt 25,1 Prozent der Bertelsmann-Aktien. Sie hatten die Anteile vor fünf Jahren im Tausch gegen ihre Beteiligung an RTL erhalten. Damit verbunden war das Recht, die Papiere nach Ablauf einer Wartefrist an die Börse bringen zu können. Bereits im Januar signalisierte dass, Unternehmen, dass es von diesem Recht Gebrauch machen wolle.

Medienberichten zufolge will die Bertelsmann-Gründerfamilie Mohn dem belgischen Investmentunternehmen jedoch seine Anteile abkaufen, um einen Börsengang in letzter Minute zu verhindern. Allerdings gibt es offenbar große Meinungsunterschiede, was den Kaufpreis angeht. Während GBL den Wert seines Aktienpakets auf rund fünf Milliarden Euro schätzt, will Bertelsmann den Berichten zufolge nur bis zu vier Milliarden Euro bieten.

Doch selbst dieses Geld dürfte nur nur schwer aufzubringen sein. Um den Rückkauf der Papiere finanzieren zu können, erwäge Bertelsmann auch den Verkauf der Musiksparte hieß es zuletzt. Das Unternehmen selbst versuchte am Montag Bedenken zu zerstreuen, ein milliardenschwerer Aktienrückkauf könne die Entwicklungsperspektiven und die Kreditwürdigkeit von Bertelsmann beeinträchtigen. Auch bei einem Rückkauf werde Bertelsmann „weiter in die Geschäfte investieren können und die finanzielle Solidität erhalten“, betonte das Unternehmen. Darüber seien sich Vorstand und Mehrheitsaktionär einig.

Auch ein Börsengang stelle das Unternehmen nicht vor Probleme, betonte der Konzern. „Bertelsmann wird seine vertraglichen Verpflichtungen gegenüber GBL erfüllen.“ Schon heute erfülle der Konzern die Anforderungen des Kapitalmarktes. „Der Vorstand ist überzeugt, dass die Entwicklung von Bertelsmann erfolgreich sein wird, unabhängig davon, ob es zu einer Börsenzulassung von Bertelsmann-Aktien oder zu einem Rückerwerb der GBL-Anteile kommt“, hieß es in der Erklärung des Unternehmens. Unabhängig von einer Börsenzulassung werde Bertelsmann auch in Zukunft an seiner partnerschaftlichen, mitarbeiterorientierten Unternehmenskultur festhalten.

Am Montag saßen sich beide Seiten, GBL und die Familie Mohn, auf der nicht-öffentlichen Hauptversammlung der Bertelsmann AG in Gütersloh gegenüber. Doch machte das Unternehmen keinerlei Angaben darüber, ob es dabei bereits Verhandlungen über die Zukunft von Bertelsmann gegeben habe. In einer Pressemitteilung teilte das Unternehmen lediglich mit, dass Eon-Chef Wulf Bernotat in den Aufsichtsrat von Bertelsmann gewählt worden sei und sein Amt mit sofortiger Wirkung antrete.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%