Streit um gebrauchte Software
Bayern geben Microsoft Kontra

Der erbitterte Streit zwischen Microsoft und dem kleinen Münchener Handelshaus Usedsoft um den Verkauf gebrauchter Software geht in die nächste Runde. Der US-Konzern versucht es nun mit Abschreckung. Die Bayern denken aber gar nicht daran, klein beizugeben.

MÜNCHEN. Der größte Softwarehersteller der Welt startete am Montag eine Öffentlichkeitskampagne, um den seiner Ansicht nach illegalen Handel mit Programmen aus zweiter Hand zu bekämpfen. „Es werden bewusst Falschinformationen im Markt platziert. Da wollen wir gegensteuern“, sagte Microsoft-Manager Werner Leibrandt in München.

Dem US-Konzern ist der schwunghafte Handel mit gebrauchten Programmen, die er einst mit Mengenrabatt verkauft hat, ein Dorn im Auge. Schon in den vergangenen Monaten hat Microsoft in Briefen seine Kunden gewarnt, dass sie keine Software aus so genannten Volumenlizenzverträgen kaufen sollten, ohne vorher das Einverständnis des Konzerns eingeholt zu haben. Jetzt erhöhen die Amerikaner den Druck und tragen ihre Auffassung in die Öffentlichkeit. Eine Pressekonferenz in München war dazu gestern der Auftakt.

Usedsoft-Chef Peter Schneider will sich die Attacken nicht gefallen lassen. „Die neuerliche Microsoft-Kampagne gegen den Handel mit ,Gebraucht‘-Software ist nur ein weiterer unseriöser Versuch des Gewohnheitsmonopolisten, einen jungen und seriösen Markt zur Sicherung der eigenen Monopolstellung und wider alle Tatsachen zu kriminalisieren“, sagte Schneider.

Der Ingenieur Schneider hat Usedsoft vor drei Jahren gegründet und kauft seither in großem Stil gebrauchte Software ein, um sie dann weiter zu veräußern. Die meisten Programme stammen von führenden Anbietern wie Microsoft, Oracle und SAP. Der Vorteil für die Abnehmer: Die Software aus zweiter Hand ist günstiger als neue Programme. Usedsoft wirbt mit prominenten Kunden wie der Stadt München, der Handelskette Edeka oder dem Telefonkonzern O2. Im Vergleich mit dem Milliardenkonzern Microsoft ist Usedsoft freilich nicht mehr als eine noch weitgehend unbekannte Garagenfirma.

Dass Microsoft trotzdem schweres Geschütz auffährt, hat mehrere Gründe. Einerseits werden die Volumenlizenzen in der Regel mit einem Abschlag an die Kunden verkauft. Wenn diese Pakete dann aufgeschnürt und einzeln weiterverkauft werden, verstößt das nach Ansicht des Konzerns gegen die Nutzungsrechte und stellt letztlich das gesamte Geschäftsmodell in Frage.

Zudem kommen nach Ansicht von Rüdiger Spies, Analyst des Marktforschers IDC, momentan viele Lizenzen für XP, die alte Version des Microsoft-Betriebssystems Windows, auf den Markt. Das liegt daran, dass es seit einigen Wochen mit Vista einen Nachfolger gibt. Diese günstigen Angebote wiederum könnten Unternehmen davon abhalten, auf Vista umzusteigen. „Das ist dann schon eine relevante Größe für Microsoft“, so Spies.

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