Streit um gescannte Bücher
Google zeigt Buchverlagen kalte Schulter

Die deutsche Buchbranche protestiert dagegen, dass digitale Versionen ihrer Werke bei Google zu finden sind. Doch das Unternehmen sieht keinen Verstoß gegen das Urheberrecht - und reagiert mit Unverständnis auf die Proteste. Jetzt schaltet sich die Bundesregierung ein.

BERLIN/DÜSSELDORF. Beim Streit um das Einscannen von Büchern reagiert der Internetgigant mit Unverständnis auf die scharfe Kritik von Buchbranche und Bundesregierung. Die Lösung berühre das deutsche Urheberrecht nicht. "Google verstößt mit der Buchsuche selbstverständlich und ganz unzweifelhaft nicht gegen deutsches Urheberrecht. In Deutschland wird kein Buch in rechtswidriger Weise in der Google Buchsuche angezeigt oder gar zum Download angeboten", sagte ein Konzernsprecher. Der in den USA angestrebte Vergleich habe für Nutzer in Deutschland keinerlei Auswirkungen.

Der Streit um das Digitalisieren von nicht mehr im Handel erhältlichen Büchern für das Internet in den USA hält die Buchbranche in Atem. Ein New Yorker Gericht hatte vor wenigen Wochen die Annahmefrist für den Vergleich des Internetriesen mit Autoren und Verlegern vom 5. Mai auf den 4. September verlängert. Außerdem beschäftigen sich die amerikanischen Wettbewerbsbehörden mit dem Fall. Die Zeit drängt. Bereits am 7. Oktober soll vor dem South District Court in New York eine Anhörung stattfinden. Wie die Entscheidung ausfällt, ist nach Meinung von Rechtsexperten unwägbar.

Am Donnerstag vergangener Woche hatte der EU-Wettbewerbsrat auf Drängen Deutschlands die Kommission aufgefordert, sich der Sache anzunehmen. Frankreich die Niederlande und Österreich hatten sich dem angeschlossen. Doch es geht um weit mehr als nur kartellrechtliche Fragen. Hinter dem Komplex "Online-Bibliothek" stecken noch ganz andere Fragen: "Wenn wir den Umsonstzugriff zulassen, verlieren wir die kulturelle Identität und Wirtschaftskraft"; warnt Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender beim Bundesverband Musikindustrie. Seine Branche leidet seit Jahren unter Raubkopien im Internet. Das gleiche droht nun dem Buch, wenn die Inhalte digitalisiert werden. Für Gorny gibt es nur einen Ausweg: "Wir brauchen ein reguliertes System, damit wir als Wissensgesellschaft bestehen können."

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