Streit um Kneipenfußball
Wirte verteidigen Sky-Preiserhöhung

Sky Deutschland setzt im Streit mit Kneipenwirten über Preiserhöhungen für Fußball-Übertragungen auf Dialog. In einer Video-Diskussion kommen auch Barbesitzer zu Wort, die kein Problem mit hohen Gebühren haben.
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DüsseldorfErnst Mörs, Inhaber der Kölner Kneipe „Lapidarium“ nimmt mittlerweile bei bestimmten Spielen Eintritt, wenn er in seiner Gaststätte Fußball-Liveübertragungen zeigt. Denn nach einer Preiserhöhung durch den Bezahlsender Sky Deutschland kostet ihn das TV-Abo nach eigenen Angaben knapp 5.000 Euro pro Jahr und ohne Eintritt sei das nicht zu finanzieren. Andere Gaststätten schwenken sogar auf Radio-Übertragungen um, weil Sky ab 1. September auf ein neues Preismodell setzt. Für viele Wirte wird es teurer, eine Protestwelle schwappt seit Wochen durch Deutschland. Am Mittwoch reagierte das Unternehmen mit einer Talk-Runde im Internet auf die Kritik.

Das Problem: In Facebook-Gruppen wie „Rettet den Kneipenfußball“ haben sich wütende Wirte zusammengeschlossen, erzählen von ihren Kündigungen und besprechen Boykott-Ideen. „Das ist unangemessen und nicht bezahlbar“, schimpft auch Stephan Büttner, Geschäftsführer im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Sky erhöht die Preise für die meisten Kunden. Im neuen Bezahlmodell rechnet der Sender nicht mehr nach Größe der Fußballkneipe ab, sondern auch nach den Faktoren Bevölkerungsdichte, Kaufkraft der Region und Sportaffinität. In manchen Ballungszentren steigt der monatliche Preis so um bis zu 100 Prozent.

Die Diskussionsrunde via Internet-Schaltkonferenz („Google-Hangout“) am Mittwoch sollte ein Beitrag des Unternehmens zur Beruhigung der Lage sein. Auf der einen Seite diskutierte Uwe Müller, zuständig für die Business Solutions bei Sky – und damit die Kneipenlizenzen. Auf der anderen Seite: vier Wirte von Sky-Sportsbars. Die waren zwar von Sky ausgesucht worden, darunter auch ein Kritiker. Aber andere Teilnehmer lobten den Service des Senders gleich mehrfach und erklärten, wie abhängig sie – etwa in Dortmund – von Fußballübertragungen sind.

Journalist Richard Gutjahr moderierte auf Einladung von Sky die Runde und begrüßte etwa Malte Wienbreyer aus Essen. Der Wirt zahlt in seinen Kneipen in Düsseldorf und Essen nach eigenen Angaben 50 Prozent mehr als vorher. Der Tenor der Wirte: Mit den Erhöhungen müssen wir leben, und wir sollten uns nicht zu abhängig vom Fußball machen. Denn bezahlen muss man schließlich auch, wenn kein Fußball läuft.

Wienbreyer sagt: „Ein Abend, der normal verläuft, ist für uns durchschnittlich besser als wenn sich die Gäste bei uns zum Spiel treffen, ein Getränk trinken und dann fluchtartig verschwinden.“ Das sei nämlich häufig der Fall. Kündigen will keiner der vier Wirte, obwohl bei allen von ihnen die Preise steigen. Fußball sei schließlich auch eine Einnahmequelle.

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Beruhigte Wirte kann Sky nicht erwarten

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  • Sky hat mit der Buli und CL ein grundsätzliches Problem:
    die Firma gibt neben den Senderechten ein Vermögen für die so genannten "Experten" aus. Als Beispiel: Muß Sky vor dem Topspiel insgesamt 4 Leute 1 Stunde lang, u.a. Schwafel - Matthäus und Schiri Merk, ihre Meinung äußern lassen?

    Müssen nach den Champions League - Spielen ebenfalls 4 hochbezahlte Experten ihren Senf dazu geben? Oder geht es vielleicht doch eine Nummer kleiner und somit kostengünstiger?

    Muß es unbedingt ein Topverdiener wie Kaiser Firlefranz oder ein "Topmoderator" Marcel Reif sein, denn kein Mensch mehr ertragen kann? Die Liste läßt sich beliebig fortsetzen: Effenberg, Lehmann, Hitzfeld, etc. Die haben alle Kohle genug und leider nichts Neues mehr zu erzählen.

    Liebe Firma Sky: bitte Kosten senken, dann müssen die Abos auch nicht so teuer sein. Niedrigere Preis = mehr Kunden = gleicher oder eventuell sogar höherer Umsatz.

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