Studie
Jüngere Zuschauer wenden sich vom TV ab

Das Fernsehen, der große Verlierer: Laut einer neuen Studie sind zwei von drei jungen Zuschauern unzufrieden mit dem klassischen Angebot von ARD, ZDF oder RTL. Das größte Problem: Die starren Sendezeiten.

DÜSSELDORF. Das Internet bringt das Fernsehen zunehmend in Bedrängnis. Nur noch jeder Dritte Befragte zwischen 16 und 24 Jahren ist mit dem klassischen Angebot von ARD, ZDF, Pro Sieben Sat 1 und RTL zufrieden. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung Accenture hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Die jungen Zuschauer stören vor allem die festen Sendezeiten. 62 Prozent der Befragten nervt der starre Ablauf von Nachrichten, Filmen, Serien und Dokumentationen. Aber nur 14 Prozent sind unzufrieden mit den Inhalten der Fernsehsender. „Das Internet hat die Medienwelt verändert. Junge Nutzer wollen ihre Inhalte jederzeit abrufen können. Die starren Programmschemata sind nicht mehr so relevant“, sagt Veit Siegenheim, Geschäftsführer im Bereich Kommunikation und Hightech bei Accenture. Bei der Studie von Accenture wurden im ersten Quartal dieses Jahres 1 109 deutsche Internetnutzer gefragt.

Bislang ging die Medienforschung vor allem davon aus, dass durch die steigende Onlinenutzung vor allem Zeitschriften und Zeitungen an Bedeutung verlieren. Doch offenbar kommt auch das Fernsehen immer stärker unter Druck. Nach einer lang laufenden Jugendstudie des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) ändert sich die Mediennutzung der jüngeren Generation ganz massiv. Nach dieser Studie stehen bei den 12- bis 19-Jährigen Computer, Internet und MP3-Player auf den Plätzen eins bis drei. Erst auf Platz vier rangiert das Fernsehen.

Möglicherweise können die Fernsehsender aber von der veränderten Mediennutzung profitieren. Sowohl die Fernsehkonzerne wie RTL und Pro Sieben Sat 1, aber auch die öffentlich-rechtlichen Anstalten ARD und ZDF bauen ihr Internetengagement aus. So betreibt beispielsweise die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 mit großem Erfolg das Filmabrufportal Maxdome. RTL hat das Videoportal Clipfish gegründet. ARD und ZDF haben mittlerweile Mediatheken ins Netz gestellt. Damit können Zuschauer Filme und Nachrichten unabhängig von der Sendezeit abrufen. Hinzu kommt, dass Mobilfunkbetreiber wie Vodafone und E-Plus DVB-T-fähige Handys auf den Markt bringen. Mit dieser Technik können Nutzer auf ihren Mobiltelefon kostenlos die Programme aller großen Fernsehsender in Deutschland empfangen.

Die Veränderung der Medienwelt geht schneller voran als noch vor wenigen Jahren vermutet. Laut Accenture schauen heute bereits 40 Prozent der 16- bis 24-Jährigen regelmäßig Fernsehprogramme auf ihrem Computer oder auf dem Handy. Bei älteren Zielgruppe ist es nur ein Viertel der Befragten. „Die Zuschauer wollen mehr Freiheit und Unabhängigkeit ohne den Geldbeutel sonderlich zu belasten“, sagt Siegenheim. Mindestens drei Viertel aller Befragten würden mehr oder weniger regelmäßig in Videoportalen wie Youtube, MyVideo, Clip oder ZDF-Mediathek surfen. Doch mit der Zahlungsbereitschaft der Zuschauer für TV-on-Demand sind es schlecht aus. Durch alle Altersschichten lehnen es rund drei Viertel der Befragten ab, für Fernsehen auf Abruf extra zu zahlen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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