Studie von A.T. Kearney
Zeitungsverlage vor Fusionswelle

Der deutsche Zeitungsmarkt steht einer Studie zufolge vor einem tiefgreifenden Umbruch. In den kommenden Jahren sollen mehrere Konsolidierungswellen die Branche nachhaltig verändern. Dabei dürften auch internationale Finanzinvestoren eine gewichtige Rolle spielen.

HB DÜSSELDORF. Deutschland stehe eine Konzentration des Zeitungsmarktes bevor, wie sie in den Niederlanden, in Großbritannien oder in Frankreich schon umgesetzt sei, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney. In den kommenden 20 Jahren würden die drei größten Verlagshäuser ihren Marktanteil von rund 30 % mehr als verdoppeln, prognostizierte der Medienexperte des Hauses, Martin Fabel. Im gleichen Zeitraum werde die Gesamtauflage der Zeitungen um etwa ein Viertel schrumpfen. Gemessen am Marktanteil stehen Springer und die WAZ-Gruppe an der Spitze der Verlage, gefolgt von Holtzbrinck, Süddeutschem Verlag und der Südwest-Gruppe.

Die derzeit ans Ruder rückende Generation der Verlagserben sei den Zusammenschlüssen gegenüber aufgeschlossen, sagte Fabel. „Der Generationenwechsel in vielen familiär geprägten lokalen Verlagen schafft ein sehr positives Klima für intensive Übernahmeaktivitäten und mithin den Einstieg von Finanzinvestoren - auch aus dem Ausland.“ Der Verlust der Rubrikenanzeigen an Internet-Anbieter sei unwiederbringlich, erklärte Fabel. Zusätzlich in die Klemme gerieten die klassischen Tageszeitungen durch das verstärkte Aufkommen von Gratiszeitungen.

„Wir stehen am Beginn einer langfristigen Konsolidierung, die das Gesicht der noch stark mittelständisch geprägten deutschen Verlagslandschaft nachhaltig verändern wird,“ prognostiziert der Experte. Den Trend zu Zusammenschlüssen könne angesichts der ökonomischen Entwicklung auch die Fusionskontrolle nicht stoppen. „Natürlich kann Springer derzeit nichts zukaufen - so lange werden vermutlich andere agieren, vor allem Finanzinvestoren.“ Vielen kleineren Verlagen bleibe aber wohl nur noch der Ausstieg aus dem Markt. Dieses Schicksal werde auf rund 80 bis 100 der derzeit 359 selbstständigen Verlage zukommen, sagte Fabel.

Im vergangenen Jahr hatten die deutschen Zeitungsverlage nach drei Jahren mit Umsatzeinbußen und massivem Stellenabbau wieder ein Umsatzplus von einem Prozent auf 8,9 Mrd. € erreicht. Auch 2005 sollen die Umsätze zulegen. Allerdings lag das Umsatzniveau 2004 noch auf der Höhe von 1994.

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