Sturmgewehr G36
Heckler & Koch verklagt Handelsblatt

Die Rüstungsfirma Heckler & Koch versucht mit allen Mitteln kritische Berichterstattung zu verhindern. Im Fall des Handelsblatts muss jetzt der Bundesgerichtshof entscheiden.
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DüsseldorfHeckler & Koch, der Hersteller des G36, versucht seit Jahren, kritische Berichterstattung des Handelsblatts über das Standardgewehr der Bundeswehr gerichtlich verbieten zu lassen. Dabei geht das Unternehmen gegen eine im Jahr 2012 auf „handelsblatt.com“ erschienene Meldung vor, in der das Handelsblatt unter der Überschrift „Bundeswehr kaufte Tausende untaugliche Waffen“ über Kritik an dem Sturmgewehr berichtet hatte. Dabei ging es schon damals unter anderem um einen Bericht der Rüstungsabteilung des Verteidigungsministeriums zu der Frage der Treffsicherheit des Gewehrs im heißgeschossenen Zustand. Das Verfahren liegt inzwischen den Richtern des Bundesgerichtshofs vor.

Der Waffenhersteller konnte sich in erster Instanz nicht durchsetzen, weil das Landgericht Köln in der Aussage „Bundeswehr kaufte Tausende untaugliche Waffen“ in Bezug auf das G36 eine zulässige Meinungsäußerung sah. Das Oberlandesgericht Köln verbot dagegen im vergangenen Jahr mit einer Entscheidung (Aktenzeichen 15 U 10/14) eine entsprechende Berichterstattung.

Die Begründung lautete, der Artikel erwecke beim Leser den Eindruck, die Gewehre seien im rechtlichen Sinne „mangelhaft“ geliefert worden, was allerdings vom Handelsblatt nicht behauptet worden war. Über diese Frage muss nun der Bundesgerichtshof entscheiden, den die Handelsblatt GmbH nach dem Urteil des Oberlandesgerichts Köln angerufen hat.

Bemerkenswert ist dieser jahrelange Rechtsstreit auch deshalb, weil Heckler & Koch im Laufe des Verfahrens immer wieder offizielle Stellungnahmen des Verteidigungsministeriums vorgelegt hatte, die bestätigten, dass das Gewehr im heißgeschossenen Zustand „keine Auffälligkeiten zeige“. Inzwischen hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die fragliche Version des Gewehrs selbst ausgemustert.

Kommentare zu " Sturmgewehr G36: Heckler & Koch verklagt Handelsblatt"

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  • da wir alle in der "bunten", "friedlichen" und "offenen" Welt mit "Willkommenskultur" leben wurde doch hoffentlich absichtlich ein Waffe bestellt die "daneben" schießt.....

  • Mann, hat die Bundeswehr doch tatsächlich einfach nur die falsche Version bestellt. Die G36 Version, die daneben schießt eben. So einfach ist das!
    Für ein paar Euro mehr gab's als Extra "Treffgenauigkeit" dazu!
    Hmm, ich frag mich nur, wofür H&K eine Version eines Gewehrs baut, mit der man dann nix trifft.
    Tut mir leid, was für ein Schmarrn...

  • Die Frage ist, was versteht man unter einer „kritischen Berichterstattung“? Eine bloße Wiedergabe von Sch...Haus-Parolen kann es auf jeden Fall nicht sein.

    Es mag durchaus sein, dass das G36 Ungenauigkeiten bei heiß geschossenem Rohr aufweist, jedoch muss berichtet werden, ab wie viel Schuss Dauer- oder Einzelfeuer dieser Zustand auftritt.

    Der nächste Punkt wäre, stimmt die Leistung des G36 mit den von der Bundeswehr geforderten Daten – Pflichtenheft – überein? Ist Übereinstimmung vorhanden, kann, von wem auch immer, nicht die Firma H & K schlecht geredet werden, denn dann wurde geliefert was man bestellt hatte.
    Übrigens, ich bin kein Mitarbeiter von H & K.

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