Subventionen: Qimonda möchte kein Geld aus Brüssel

Subventionen
Qimonda möchte kein Geld aus Brüssel

Der Münchener Halbleiterproduzent Qimonda wird sein Werk in Dresden in absehbarer Zeit nicht ausbauen, obwohl das Unternehmen dafür auf staatliche Unterstützung zurückgreifen könnte. Am Donnerstag hat die EU-Kommission in Brüssel zwar Beihilfen von 165,5 Mill. Euro offiziell genehmigt, doch Qimonda will das Geld derzeit überhaupt nicht haben.

MÜNCHEN. Ein Unternehmenssprecher begründete den Verzicht damit, dass die geplante Investition zwischenzeitlich verschoben worden sei. Die Infineon-Tochter hatte die Subventionen beantragt, um die bestehende Fabrik in Dresden zu erweitern. Insgesamt wollte der Speicherchip-Hersteller dafür 1,2 Mrd. Euro aufwenden. Noch im vergangenen Sommer hatten die Münchener fest vor, an der Elbe zu bauen und damit rund 480 neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Doch dann brach das Geschäft mit den sogenannten Dram-Chips ein und Qimonda stoppte die Ausbaupläne, über die in Branchenkreisen schon lange spekuliert worden war. Damit nicht genug: Vergangene Woche kündigte Qimonda-Chef Kin Wah Loh zudem an, auch den Neubau einer Fabrik für zwei Mrd. Dollar in Singapur auf Eis zu legen. Hintergrund sind tiefrote Zahlen: Im abgelaufenen Quartal überstieg der Verlust mit 598 Mill. Euro sogar den Umsatz von 513 Mill. Euro.

Grundsätzlich "begrüße Qimonda die Entscheidung der Kommission", betonte der Unternehmenssprecher. Allerdings habe Qimonda noch keine Entscheidung getroffen, ob in Dresden überhaupt investiert werde. Die EU ist mit der Genehmigung einer Forderung der Chiphersteller nach mehr staatlicher Unterstützung in Europa nachgekommen. Denn die Branche hat in den vergangenen Monaten immer wieder beklagt, dass sie in Asien mehr Geld für neue Fabriken bekomme. "Der Förderanteil in Asien ist sehr hoch. Die Mischung, die dort angeboten wird, macht es sehr schwer, eine Fabrik in Deutschland zu bauen", sagte jüngst Infineon-Chef Wolfgang Ziebart. Hans-Jürgen Straub vom Chiphersteller X -Fab beklagte, dass die EU "viel zu langsam entscheidet".

Die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes begründete die am Donnerstag genehmigten Subventionen für Qimonda damit, dass Arbeitsplätze in einer strukturschwachen Gegend Deutschlands geschaffen würden und "die Wettbewerbsfähigkeit in Europa insgesamt gefördert" werde. Ob es je dazu kommt, ist momentan aber völlig offen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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