Suchmaschine
Das Prinzip Google

Google ist Produktführer bei den Webnutzern und gleichzeitig Systemführer bei den Werbetreibenden. Konkurrenten versuchen das eine oder das andere – aber an Google kommt keiner heran. Was macht dieses Unternehmen nur so besonders?

DÜSSELDORF. Die Wall Street verzeichnete vergangenen Freitag den größten Tagesverlust seit Monaten – und die Google-Aktie steigt unverdrossen weiter. Diesmal um mehr als fünf Dollar auf 644 Dollar, und vier namhafte Brokerhäuser erhöhten ihre Zielmarken für den Aktienkurs auf mindestens 800 Dollar. Am Tag zuvor hatte Google Zahlen für ein Rekordquartal ausgewiesen und im elften von 13 börsennotierten Quartalen alle Erwartungen übertroffen. Aus einem Nettoumsatz von drei Mrd. Dollar floss ein Nettogewinn von 1,07 Mrd. Dollar – 46 Prozent mehr als im Vorjahr.

Und das, während der schärfste Konkurrent, Yahoo, tief in der Krise steckt und mit Marketing-Vorstand Cammie Dunaway gerade den nächsten Top-Manager feuert. Verrückte Welt? Nein, sagen Experten wie Berater Ralf Kaumanns von Accenture. „Was wir sehen, ist nicht weniger als ein Paradigmenwechsel in der Web-Industrie. Und der strahlt auf den Rest der Wirtschaft aus“, warnt der Co-Autor des Buchs „Die Google-Ökonomie“.

„Es ist schwer, Google zu kopieren oder die Rolle zu übernehmen. Aber man sollte begreifen, dass es neue Regeln gibt“, sagt Kaumanns. Wer das verinnerliche, könne wenigstens versuchen, davon zu profitieren.

Um den Wandel zu verstehen, muss man sich von der Vorstellung lösen, Google sei noch eine Suchmaschine. Google, so Kaumanns, sei bereits ein „Meta-Medienkonzern“. Diese Meta-Ebene legt sich wie eine eigene Schicht über das Internet. Basierend auf der Web-Suche als Kernelement vermarktet Google den Kontext der Informationsbeschaffung so geschickt wie kein anderer.

Der größte Unterschied zu tradierten Geschäftsmodellen ist jedoch die Art der Monopolbildung auf freiwilliger Basis. Niemand muss Google nutzen. Anders als etwa die iPhone- oder iPod-Käufer, die von Apple die Software iTunes und den Apple-Shop nutzen müssen. Aber Google ist so gut, bequem, nützlich und umfassend, dass wenige den Wunsch verspüren, woanders hin zu gehen. Software-Programmier werden geradezu ermutigt, neue nützliche Anwendungen für Google zu schreiben. Apple etwa blockiert dagegen (noch) alle Versuche Dritter, für iPhone oder iPod zu programmieren.

Mit seiner Taktik verankert sich Google unauffällig im alltäglichen Leben. Web-Suche, Kalender, E-Mail, Schreibprogramm, Videos – was in das Raster passt, wird – überwiegend kostenfrei – angeboten und über Werbung und Datensammlung finanziert. „Irgendwann werden wir den Menschen sagen können, was sie als nächstes tun sollten“, schwärmt Google CEO Eric Schmidt von der Zukunft. Dann, wenn er dank umfassender Daten so viel über die Nutzer weiß, dass er praktische Lebenshinweise geben kann – Google als Lebensberatungs-Maschine.

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