Suchmaschinen: Das „neue Kampfgebiet“ der Software-Konzerne

Suchmaschinen
Das „neue Kampfgebiet“ der Software-Konzerne

Suchmaschinen sind für die meisten Internetnutzer bereits unverzichtbar. Doch auch im internen Unternehmensbereich gedeiht ein prächtiger Markt für diese Art von Software, da immer mehr Daten verarbeitet und genutzt werden. Die IT-Riesen müssen jedoch vorerst draußen bleiben – die Konzerne setzen bislang auf unbekannte Anbieter.

DÜSSELDORF. Autonomy, Fast Search – das Geschäft mit Suchmaschinen für Unternehmen wird bislang von mittelgroßen und weitgehend unbekannten Anbietern dominiert. Doch das könnte sich bald ändern: Der Markt werde zum „neuen Kampfgebiet“ der großen Software-Konzerne, sagt Gartner-Analyst Tom Eid. Und Ian Black, beim Marktführer Autonomy für das globale Geschäft verantwortlich, konstatiert ein „wachsendes Interesse“ der Branchen-Riesen.

Den Anfang machte Microsoft, das Anfang Januar 1,2 Mrd. Dollar für den norwegischen Suchmaschinen-Spezialisten Fast Search bot – viel Geld für ein Unternehmen, das bei einem Jahresumsatz von etwa 160 Mill. Dollar tiefrote Zahlen schreibt. Doch nach Ansicht von Jeff Raikes, dem Leiter des Geschäftskunden-Sparte von Microsoft, werden sich diese Suchmaschinen zu einem „unverzichtbaren Werkzeug für Firmen ganz gleich welcher Größe" entwickeln.

Der Markt für die „Firmen-Suche“ ist zwar klein, er wächst aber seit einigen Jahren über 20 Prozent per annum. Ende 2009 wird der weltweite Umsatz laut Gartner die Milliarden-Dollar-Grenze überspringen. In vielen Unternehmen sammeln sich enorme Datenmengen an, die kaum noch zu überschauen sind. Suchmaschinen helfen den Mitarbeitern, den Datenwust in den Griff zu bekommen. Zudem wird die Nachfrage durch neue Gesetze angeheizt.

Bislang versuchen die großen Anbieter von Firmen-Software wie Oracle, SAP oder auch IBM, mit eigenen Produkten auf dem Markt Fuß zu fassen. SAP brachte im September vergangenen Jahres ein umfassendes Werkzeug auf den Markt, mit dem die Nutzer in den SAP-Systemen, aber auch in den Daten anderer Programme suchen können. Auch Microsoft vertreibt mit „Share Point Server“ eine eigene Software.

Allerdings liegen die jeweiligen Marktanteile der erfolgsverwöhnten Konzerne bei nur wenigen Prozent. „Oracle, IBM und SAP werden noch viel investieren müssen, um nicht abgehängt zu werden“, sagt IDC-Analystin Sue Feldman. Deshalb, so Gartner-Experte Eid, könnten die Konzerne dazu übergehen, Spezialisten zu kaufen.

Davon will man bei SAP allerdings vorerst nichts wissen: „Wir wollen die Entwicklung aus eigener Kraft und mit Hilfe von Partnern vorantreiben“, heißt es dort. Der Konzern hatte lange an seiner Strategie festgehalten, organisch zu wachsen. Vor wenigen Wochen überraschte er allerdings durch die milliardenschwere Übernahme von Business Objects.

Allerdings könnte Google den Handlungsdruck erhöhen. Der Suchmaschinen-Riese gilt ebenfalls als Kaufinteressent. Er brachte vor knapp einem Jahr eine verbesserte Version seiner Unternehmenssoftware „Search Appliances“ auf den Markt. Mit der vergleichsweise schlichten und preiswerten Anwendung konnte Google im unteren Preissegment einige Erfolge verbuchen. Von einer ähnlich dominanten Stellung wie bei der Internet-Suche ist das Unternehmen aber weit entfernt.

Zudem ist die Technik der Firmen-Suche viel komplexer als jene, die für die Suche im Internet eingesetzt wird. Die Suchmaschinen müssen jeden Winkel des Firmennetzwerks erfassen und eine Vielzahl unterschiedlicher Datenformate lesen können. Zugleich dürfen sie die Informationen aber nur autorisierten Nutzern zugänglich machen – sonst könnte sich etwa ein einfacher Buchhalter durch die Mails des Vorstandes klicken.

Mögliche Kandidaten für eine Übernahme gibt es viele. In dem Markt tummeln sich zahlreiche kleinere und mittelgroße Anbieter, die häufig über eine ausgereifte Technik verfügen. Als heißester Anwärter wird in der Branche aber der britische Konzern Autonomy gehandelt.

Das Unternehmen mit einem Umsatz von zuletzt 336 Mill. Euro und einem Nettoergebnis von 63 Mill. Euro wurde für seine Software-Lösungen mehrfach ausgezeichnet und ist mit einem Anteil von 21 Prozent die Nummer eins auf dem Weltmarkt. Autonomy-Manager Ian Black gibt sich allerdings gelassen: „Ich höre solche Spekulationen, seit ich vor sieben Jahren zu Autonomy kam.“

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel
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