Suchmaschinenprimus
Anleger machen bei Google Kasse

Ist doch die Luft raus bei Google? Die Aktie des Suchmaschinenprimus beendete die Börsenwoche mit Verlusten. Waren die Donnerstag nach Börsenschluss vorgelegten Quartalszahlen zunächst als gut eingestuft worden, ergab eine genauere Analyse potenzielle Schwachstellen.

DÜSSELDORF. Am Freitag gab die Aktie nach Gewinnmitnahmen mit 2,79 Prozent auf 430,25 Dollar stärker als der Gesamtmarkt nach. Allerdings notieren die Google-Papiere damit immer noch 39 Prozent höher als zu Jahresbeginn.

Der Marktführer in Suchmaschinenwerbung hatte mit plus drei Prozent zum Vorjahresquartal auf 5,52 Mrd. Dollar das schwächste Umsatzwachstum seit Börsengang präsentiert. Der Nettogewinn im zweiten Quartal stieg zwar kräftig auf 1,48 Mrd. Dollar nach 1,25 Mrd. Dollar im Vorjahr. Aber ein Großteil davon war auf harte Sparmaßnahmen und Kostenkontrollen zurückzuführen.

So wurden im Quartal noch 139 Mill. Dollar als Investitionsausgaben in Infrastruktur und Datencenter („Capital Expenditure“) verbucht. Das ist über 80 Prozent weniger als im Vorjahresquartal mit 698 Mio. Dollar. Die Zahl der – überwiegend sehr gut bezahlten – Mitarbeiter sank binnen dreier Monate um 378 auf 19 786 weltweit.

Für große Verunsicherung sorgte ein Rückgang der „Paid Clicks“, der bezahlten Klicks auf Suchwortanzeigen, um zwei Prozent verglichen mit dem ersten Quartal 2009. Außerdem sanken im Vergleich zum Vorjahresquartal die Einnahmen aus den Klicks („Cost per Click“) um ganze 13 Prozent. Ralf Kaumanms, Google-Experte bei Accenture Deutschland: „Das sieht nach einem Nachfrageproblem aus. Werbende Unternehmen bieten offenbar in den Google-Auktionen auf weniger Suchworte als früher und vorsichtiger.“ Google selber verweist auf ein überproportionales Wachstum von „billigen“ Werbeklicks in Ländern wie Indien oder China, was dann den Durchschnitt senke. Gleichwohl wird eingeräumt, dass die wirtschaftlichen Probleme weltweit zu einer Zurückhaltung bei den Kunden geführt hätten. Jeetil Patel, Google-Analyst bei Deutsche Bank New York, schreibt in einer Notiz: „Der zyklische Druck durch schwache Wirtschaft und Werbezurückhaltung war im Quartal größer als wir erwartet hatten.“ Patel sieht langfristig allerdings weiter großes Potenzial für Google und erhöhte das Kursziel von 425 auf 475 Dollar.

Jeffrey Lindsay, Senior Analyst bei Bernstein Research, blickt ebenfalls eher auf die langfristigen Perspektiven. „Der Erholung von der derzeitigen Schwäche bei Google wird länger dauern als erwartet“, schreibt er zu den Zahlen und merkt gleichzeitig positiv an: „Allerdings reagiert das Management darauf jetzt sehr aggressiv mit Kostensenkungen und Ausgabendisziplin.“ Er bleibe deshalb bei seiner „Outperform“-Einstufung für das Papier, obwohl er die Schätzung für den Gewinn pro Aktie für 2009 um drei US-Cents auf nun 21,48 Dollar gesenkt hat.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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