Sun-Übernahme
Brüssel durchkreuzt Oracle-Pläne

Der Software-Riese Oracle bekommt Probleme beim geplanten Kauf des Server-Spezialisten Sun Microsystems. Nach dem Veto der EU-Kommission hat das Unternehmen nun bis Mitte Januar Zeit, die Bedenken auszuräumen.
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HB BRÜSSEL/NEW YORK. Bei der Sun-Übernahme hat sich Oracle-Chef Larry Ellison weit aus dem Fenster gelehnt: Am Ende werde der Kauf wie bereits in den USA geschehen ohne Bedingungen genehmigt werden, hatte Ellison kühn behauptet. Doch nun bekommt er den den geballten Widerstand aus Brüssel zu spüren.

Die EU-Kommission hat sich offiziell gegen die Übernahme des Server-Spezialisten Sun Microsystems durch den Software-Riesen Oracle gestellt. Die Kommission befürchte vor allem einen Rückschlag für den Wettbewerb im Datenbanken-Bereich, wie Oracle und Sun am Montag mitteilten.

Oracle warf der Kommission im Gegenzug vor, den Markt für Computer-Datenbanken nicht zu verstehen und kündigte Widerstand an. Ein Sprecher von Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes wies Oracles Vorwürfe, die Behörde verstünde nichts von dem Markt für Computer-Datenbanken, als „oberflächlich und vordergründig“ zurück. „Wir haben eine Reihe von Beschwerden von Kunden bekommen und müssen diesen nachgehen“, sagte er am Dienstag in Brüssel.

In den USA ist die 7,4 Mrd. Dollar schwere Übernahme bereits gebilligt worden. Die Wettbewerbs- Aufsichtsbehörden der USA und der EU seien „in regelmäßigem Kontakt“, sagte der Sprecher, fügte aber hinzu: „Sie haben ihre Methoden, wir haben unsere. Und wir haben nicht immer die gleiche Beweislage vor uns.

Die ablehnende Haltung der EU-Kommission war absehbar, nachdem sie bereits in den vergangenen Wochen Bedenken gegen den Deal angemeldet hatte. Die Brüsseler Behörde sieht den Wettbewerb vor allem dadurch bedroht, dass Oracle mit der Übernahme auch die Software MySQL bekommt.

Oracle hat nun Zeit bis Mitte Januar, die Bedenken auszuräumen. Das Unternehmen betont, dass MySQL eine quelloffene Software sei und deshalb von niemandem kontrolliert werden könne. Außerdem gebe es im Datenbanken-Markt weltweit mindestens acht starke Wettbewerber, darunter auch IBM und Microsoft.

Die europäischen Wettbewerbshüter hatten schon einmal im Jahr 2001 den Zusammenschluss zweier großer US-Unternehmen gestoppt und damit in den Vereinigten Staaten für Verstimmung gesorgt. Seither versuchen die Kartellwächter beiderseits des Atlantiks, eine einheitliche Linie zu finden. Für die Sun-Transaktion liegt die Zustimmung der US-Behörde bereits vor.

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