Sun-Übernahme
Brüssel sperrt sich gegen Oracles Plan

Das vorläufige Urteil der EU-Kartellwächter steht fest: Die Übernahme von Sun Microsystems durch Oracle gefährde den Wettbewerb auf dem Markt für Datenbanken. Oracle-Chef Larry Ellison warf der Behörde prompt Inkompetenz vor. Aber nicht nur bei dem Betroffenen sorgte die Entscheidung für Kopfschütteln.
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MÜNCHEN/FRANKFURT. Für diplomatisches Geschick ist Larry Ellison nicht bekannt. Was der Gründer und Chef des Softwarekonzerns Oracle haben will, das nimmt der 65-Jährige sich. Niemand weiß das besser als der Schweizer Ernesto Bertarelli. Mit dem Milliardär streitet sich Ellison schon seit Jahren vor Gericht über die Ausrichtung des America?s Cups, der bekannteste Segelwettbewerb der Welt.

Ellison sucht den Streit, und den bekommt er jetzt mit der EU. Brüssel sperrt sich gegen die 7,4 Mrd. Dollar schwere Übernahme von Sun Microsystems durch Oracle. Die Kommission legte gestern die vorläufige Beurteilung ihrer Prüfung vor: Sie hat massive Einwände, weil sie eine Gefahr für den Wettbewerb fürchtet. Die ganze Übernahme steht infrage.

Ellison warf der Behörde umgehend Inkompetenz vor. Die EU-Wettbewerbshüter demonstrierten ein "profundes Missverständnis" des Marktes für Datenbanken und für die Dynamik im Markt frei verfügbarer Software, lautete die Reaktion der Amerikaner. Ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes wies die Vorwürfe als "oberflächlich und vordergründig" zurück. "Wir haben eine Reihe von Beschwerden von Kunden bekommen und müssen diesen nachgehen."

Analysten zeigen sich schockiert

Die Kommission sieht den Wettbewerb vor allem dadurch bedroht, dass Oracle mit der Übernahme auch die Datenbanken-Software MySQL bekäme. Oracle betont, dass MySQL eine frei verfügbare Software sei und deshalb von niemandem kontrolliert werden könne - der Wettbewerb würde nicht eingeschränkt. Außerdem gebe es im Datenbanken-Markt acht starke Wettbewerber, darunter auch die großen IT-Konzerne IBM und Microsoft.

Bei Industrieanalysten sorgt das Vorgehen der EU für Kopfschütteln. So verweist Andrew Butler von der Gartner Group auf den niedrigen Marktanteil von MySQL. "Das ist albern, es ist eine Entscheidung, die für die weitere Entwicklung von Sun, aber auch der Industrie, verhängnisvoll ist. Wir sind schockiert."

US-Manager unterschätzen Zähigkeit der EU

Sollte die EU-Kommission den Deal zu Fall bringen wäre es der zweite Schlag gegen eine inneramerikanische Übernahme. Bereits 2001 haben die Bürokraten den Kauf von Honeywell durch General Electric untersagt. Auch die Software-Industrie hat bereits ihre Erfahrung mit den EU-Kartellhütern machen dürfen. Sowohl Microsoft als auch Intel wurden zu Millionenstrafen verdonnert, weil sie nach Ansicht der Beamten ihre marktbeherrschende Stellung missbraucht hatten.

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