Sun-Übernahme
Oracle-Chef fordert EU-Kommission heraus

Die EU-Kommission will die Übernahme des Software- und Server-Spezialisten Sun durch den IT-Konzern Oracle intensiver prüfen - und erregt damit den Unmut von Oracle-Chef Larry Ellison. Jeder Monat, den die EU-Kommission zur Prüfung brauche, koste Sun rund 100 Mio. Dollar.

FRANKFURT. Larry Ellison ist für seine klaren, häufig auch provozierenden Äußerungen bekannt - und kommt dennoch fast immer an sein Ziel. Ob der Chef des IT-Konzerns Oracle sich allerdings mit seinen jüngsten Aussagen zur noch laufenden Übernahme des Software- und Server-Spezialisten Sun einen Gefallen getan hat, muss sich noch zeigen.

Der umtriebige und zugleich umstrittene IT-Manager hat mit deutlichen Worten die EU-Kommission für ihr Verhalten bei der Freigabe der Sun-Übernahme kritisiert. "Je länger das dauert, desto mehr Geld wird Sun verlieren", sagte er. Die EU-Kommission hatte vor einigen Wochen bekannt gegeben, die Übernahme intensiver prüfen zu wollen. Man habe signifikante Wettbewerbsbedenken, hieß es. Nun soll eine Entscheidung bis zum 19. Januar 2010 fallen.

Damit nicht genug, Ellison legte sogar noch eine Schippe drauf. Keck behauptete er, dass die sieben Mrd. Dollar teure Übernahme in Europa wie bereits in den USA geschehen am Ende ohne Bedingungen genehmigt werde.

Auf solche Äußerungen reagieren die Brüsseler Kartellwächter erfahrungsgemäß äußerst pikiert. Das deutlich zur Schau gestellte Selbstbewusstsein dürfte die Brüsseler nicht gnädiger stimmen.

Oracle wäre nicht die erste Übernahme, die in den USA durchgewunken, in Brüssel aber gekippt würde. So legte die Kommission bei der Fusion von General Electric und Honeywell ihr Veto ein und verhinderte so den Zusammenschluss.

Im Fall Oracle/Sun bereitet Brüssel vor allem die Zukunft der Sun-Tochter MySQL Sorgen. Die Firma bietet wie Oracle Datenbank-Software an, allerdings als so genannte Open-Source-Software. Das sind Programme, für die keine Lizenzgebühren fällig werden. Die EU-Wettbewerbshüter fürchten, dass Oracle durch den Zugriff auf den Rivalen den Wettbewerb im Datenbank-Geschäft gefährden könnte. Das sei sowie so schon oligopolistisch gefärbt, mit den drei dominierenden Anbietern IBM, Oracle und Microsoft.

Anderseits ist Ellisons Sorge vor der schwindenden Attraktivität der umworbenen Braut Sun nicht unberechtigt. Das Unternehmen leidet bereits seit längerem unter der Kaufzurückhaltung der Kunden. Das wird nun noch verstärkt durch die Unsicherheit der Kunden, die die Erzrivalen wie HP oder IBM mit Sonderaktionen weidlich auszunutzen wissen.

Monatlich, so rechnet Ellison vor, verliere Sun derzeit rund 100 Mio. Dollar. Doch ohne die Freigabe seitens der EU kann Ellison mit der Integration noch nicht beginnen. Dabei hatte Oracle in Anzeigen bereits die gemeinsame Vermarktung von Sun - und Oracle-Produkten gestartet.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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